[Im Lateinunterricht] klebten wir unsere Hexameter, dann Disticha zusammen, lernten doch schon dabei die Vokale als lang und kurz unterscheiden, gewöhnten uns an die ovidische feste Form des Distichons, die der Sprache ihre Bewegung einengt, lernten also Stil und neben der periodisierten Prosa war das recht nützlich. Schließlich steigerte es sich dazu, dass man selbst Verse machte.

Wilamowitz über seinen Lateinunterricht in den Jahren 1862-1867

Das Skandieren und Übersetzen lateinischer Verse braucht viel Übung. Das geht, wie Wilamowitz noch wusste, besonders gut mit Bastelarbeit. Hier bei den „Versetzten Versen“ steht deswegen das Spiel mit der lateinischen Sprache im Vordergrund. Wir nutzen Verse aus verschiedenen Texten des lateinischen Dichters Ovid, um aus vorgegebenen Bestandteilen korrekte lateinische Verse zu basteln.

Für die Arbeit mit lateinischen Textbausteinen wird eine alte Methode aus dem Lateinunterricht wieder aktiviert, die Wilamowitz als Schüler in seinem Lateinunterricht noch kennengelernt hat: das Ordnen versetzter Verse.

Informiere Dich zuerst über die Spielregeln oder starte direkt mit einem Spiel aus der Übersicht unten. Jedes Spiel ist unterteilt in eine thematische Einführung (Worum geht es bei den Versen inhaltlich?), einen Arbeitsauftrag (Was muss ich tun, um korrekte Verse zu basteln?) und eine Liste mit den Aufgaben.

Alle Aufgaben sind über mehrere Jahre erfolgreich im Lateinunterricht erprobt, digital und analog sowie in Präsenz und in Distanz.


Die Spiele


Das Konzept

Das Übersetzen lateinischer Dichtung ist mit zwei besonderen Herausforderungen verbunden.

Zum einen sind die lateinischen Wörter, aus denen die Sätze zusammengesetzt werden, in freier Wortstellung angeordnet. So kommt es dazu, dass nach KNG zusammengehörende Wörter weit auseinander stehen. Und Verbformen, insbesondere die Prädikate, befinden sich irgendwo im Satz und müssen erst identifiziert werden.

Grund für die freie Wortstellung sind die metrischen Regeln, die die zweite Herausforderung darstellen. Die Verse der lateinischen Dichtung sind nach einer festgelegten Abfolge von langen und kurzen Silben konstruiert, so dass sich beim Vortrag eine besondere rhythmische und klangliche Wirkung ergibt. Die antiken Vortrags- und Hörgewohnheiten entsprechen aber nicht mehr dem heutigen Lyrikvortrag, vielmehr muss das antike Versmaß erst erschlossen und analysiert werden. 

Beide Herausforderungen eröffnen zugleich neue Zugänge zum lateinischen Text und erleichtern das Verständnis. So bedingt die freie Wortstellung, dass Adjektive, die in KNG-Kongruenz zu einem Nomen stehen, eine größere Bedeutung für die beschriebene Handlung erhalten und schon für sich genommen eine eigene Aussagekraft gewinnen. Und die Anordnung der Wörter nach einem festen metrischen Schema mit Pausen und Sinnabschnitten strukturiert und unterstützt die inhaltliche Aussage des Verses. In beiden Fällen handelt es sich um rein formale Elemente des Textes, die erheblich zur Bedeutung des Verses beitragen.

Es gibt fünf verschiedene Spiele:

Die Texte, die als Grundlage für das Spielen und Basteln dienen, stammen aus verschiedenen Werken des lateinischen Dichters Ovid. Nicht umsonst hat sich Ovid selbst als tenerorum lusor amorum bezeichnet, der spielerisch mit den formalen Möglichkeiten der lateinischen Sprache und Metrik umgeht und dafür das Liebesthema nutzt. Deswegen arbeiten wir mit Versen aus seinen „Heroides“ und „Tristien“ sowie aus der „Ars amatoria“.