

Links: Ernst v. Wolzogen veröffentlicht Ende Mai 1900 einen neuen Brettlsang im „Simplicissimus“. Rechts: Pariser Plakat von 1893 für die Tänzerin Loie Fuller, die gerade auf der Pariser Weltausstellung große Erfolge feiert.
Literarisches Variété
Unterhaltung im Jugendstil
Berlin, 1900. Wolzogen plant ein literarisches Variété. Wie soll es heißen? „Überbrettl“ oder „Zum rasenden Jüngling“? Wo soll es spielen? Alexanderplatz oder Friedrichstraße?
- Gesungener Simplicissimus: Für das Satire-Heft „Simplicissimus“ hat Wolzogen Gedichte als „Brettlsang“ geschrieben, illustriert im Jugendstil. Das muss auf die Bühne!
- Die Zickel-Connection: In Berlin trifft Wolzogen den jungen Theatermacher Dr. Martin Zickel. Der plant eine „Sezessionsbühne“ mit modernem Theater. Ausgerechnet beim Variété am Alexanderplatz. Ein passender Rahmen.
- Der rasende Jüngling und sein Überbrettl: Wolzogen sucht eine Location in der Berliner Friedrichstraße. Damit sich die jungen Talente austoben können. Vorne ein Restaurant „Zum rasenden Jüngling“, hinten eine Bühne, das „Überbrettl“. Niemand will so etwas finanzieren.
Inhalt
- Gesungener „Simplicissimus“
- Brettlsang
- Knisternde Gewänder
- Gastspiel in Berlin
- Die Zickel-Connection: Variété am Alexanderplatz
- Berliner Secession
- Oscar Geller und das Variété
- Budapester Orpheum
- Variété am Alexanderplatz
- Der rasende Jüngling und sein Überbrettl
- Madame Adèle – Adele Moraw
- Wunschort Friedrichstraße
- Der rasende Jüngling
- Das Überbrettl
- Als scout auf der Weltausstellung
Gesungener „Simplicissimus“

Wie entscheidend die Nachmittagsmatinée der Roulotte auf der Bühne des Belle-Alliance-Theater am 21. Oktober 1899 für Ernst v. Wolzogen ist, kann man kaum überschätzen. Vorher war Wolzogen ein gescheiterter Dramaturg, weiter denn je entfernt von seinem Traum, Theaterintendant zu werden. Die Show der Roulotte verschafft ihm eine neue, ungeahnte und vor allem realistische Perspektive.
Plötzlich passt alles zusammen.
Wolzogen ist nicht freiwillig in Berlin. Er braucht dringend den Erfolg – und Geld, um die Schulden aus seinem Misserfolg in München zu bezahlen. Vor zwei Jahren schien dort sein Traum zum Greifen nah.
Zu diesem Zeitpunkt beteiligt sich Wolzogen an der Gründung einer „Litterarischen Gesellschaft“, die am 4. November 1897 mit dem angesehenen Bestseller-Autor Ludwig Ganghofer als Vorsitzenden startet. Unter ihrem Dach wird Wolzogen Spielleiter einer „freien Bühne“, die Gastspiele in anderen Theatern ausrichtet. Er will sich als Regisseur für moderne Theaterstücke profilieren.
Wolzogens eigenwillige Interpretation des Shakespeare-Stück „Troilus und Cressida“, am 18. April 1898 auf der Bühne des Theaters am Gärtnerplatz inszeniert, gerät zum Fiasko. Der Versuch, das Drama wie zu Shakespeares Zeiten aufzuführen, mit kostümierten Zuschauern auf der Bühne und Männern in Frauenrollen, überfordert das Münchner Publikum. Das Stück wirkt burlesk und unfreiwillig komisch. Ganghofer und sein Vorstand drängen Wolzogen aus dem Amt. Dieser verabschiedet sich mit einer „Gardinenpredigt“ vor der zweiten und letzten Vorstellung am 19. April. Die Presse habe ihn absichtlich missverstanden und seine Interpretation gezielt schlecht beurteilt.
Neue Ideen müssen her.
Brettlsang


Idee Nr. 1: Wolzogen schreibt für das Münchener Satiremagazin „Simplicissimus“ zwei Gedichte, die um die Jahreswende 1898/1899 erscheinen. Die Kritik fand sein Theaterstück burlesk? Gut, dann bekommt sie jetzt etwas wirklich Burleskes. Gedichte, satirisch überzeichnet, arrogant und gehässig. Illustriert von den Grafikern des „Simplicissimus“. Beide Gedichte tragen die Gattungsbezeichnung „Brettlsang“, Dichtung fürs Variété.
Das Gedicht „Laufmädel“, erschienen am 19.11.1898, beschreibt mitfühlend und hämisch zugleich ein übereifriges junges Dienstmädchen, das die ganze Zeit zu Fuß Aufträge für ihre Herrschaft erledigen muss. Ihre Gesundheit leidet, zur Ablenkung träumt sie von einem Märchenprinzen, der sie erlöst:
Platschepitsch – Spagatelregen –
Schokolad auf allen Wegen.
Mädel unter Paraplü
Stiefelt tapfer durch die Brüh.
Pflastertreterl,
Armes Peterl!
Mädel, kleines Mädel, laufe –
Aus dem Regen in die Traufe!
Tapfer bekämpft das Mädchen jedes Anzeichen von Schwäche und verschleppt eine Erkältung. Schließlich erwartet sie der frühe Tod:
Fasching kam mit Geigenklingen …
Warum magst denn du nicht springen?
Kille, kille, Kleine,
Brauche deine Beine –
Trippeltrab treppauf und ab,
Stöckelstiefel klippeklapp –
Bald ein End hat alle Not –
Frühling wird’s – dann kommt der Tod!
„A fescher Domino“, pünktlich zur Karnevalsausgabe am 18.02.1899, erzählt aus der Ich-Perspektive einer desillusionierten Karnevalistin. Die Maske bringt ihre wirklichen Gefühle zum Vorschein. Sie wirft sich dem erstbesten Tänzer an den Hals und lässt in breitem Dialekt ihrer Lebenslust freien Lauf:
Bist amend du gar von Adel?
Schau, i bin an armes Madel:
Alles hab‘ i bis aufs letzt‘
Um den Domino versetzt!
Sag ma g’schwind was liabs ins Ohr
Is net wahr, fo lüag ma’s vor.
Schatz, du, laß an Schampus krachen,
Wer wird heut sich Sorgen machen!
Bis zum Himmi is ma’s z’weit —
Schenk mer hier glei d’Seligkeit!
Wolzogen schildert die Stimmung des Mädchens einfühlsam und lebendig, um sie am Ende der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Darstellung bleibt distanziert, er lässt besinnungsloses Vergnügen für sich sprechen, so als wäre es allein ein Problem der Karnevalistin selbst. Die Ironie verstärkt das Überlegenheitsgefühl des Sprechers.
Knisternde Gewänder


Idee Nr. 2: Mit Romanen hatte Wolzogen schon vorher Erfolg. Also verfasst er „Das dritte Geschlecht“, einen Schlüsselroman, in dem er Münchener Frauenrechtlerinnen darstellt. Sie stellen die traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter in Frage und sehen kein Problem darin, wenn sie trotz Mutterschaft auf einem eigenen Leben bestehen. So etwas lässt sich deutschlandweit an Leserinnen verkaufen. Der Titel kommt, ansprechend illustriert, im Juni 1899 in die Läden.
Dabei geht es weniger um wirkliche Emanzipation als ironische Kritik an Rollenmustern. Der Skandal besteht darin, dass sie überhaupt thematisiert werden. Was, so eine Protagonistin am Ende des Romans, könnte falsch daran sein, dass „ich so fest auf meinen zwei Beinen stehe wie nur irgend ein Mannsbild und mir von keinem ein X für ein U machen lasse?“
Der Skandal beschränkt sich darauf, dass Frauen selbst über ihre Garderobe bestimmen. Natürlich bleibt das eine Männerfantasie. Wolzogen beschreibt den male gaze, dem sich Frauen anpassen müssen. Emanzipatorisch ist daran bloß, dass Frauen die Wahl über ihre Kleidung bekommen.
Wo das hinführt, zeigt Franz Xaver Pirngruber, der fasziniert vor dem offenen Kleiderschrank der Liliane von Robiceck haltmacht und nicht weitergehen kann. All die schönen Gewänder! Wie das raschelt und knistert. Wie das duftet und einhüllt. Franz Xaver
strich gedankenlos mit den Fingerspitzen über die hängenden Gewänder. Es raschelte das Seidenpapier, mit dem einige der feinen Taillen eingewickelt waren, es raschelte von Atlas und Satin, und zarter Duft von einem ihm unbekannten Parfüm wehte ihm entgegen.
Er schloss die Augen und sog ihn langsam ein und es war ihm, als ob der Duft ihrer warmen Haut, ihres weichen, lockeren Haares ihn einhüllte. Er ballte seine Radelkappe zusammen und warf sie wütend auf den Tisch und dann starrte er wieder in den Schrank hinein.
Oben in dem Längsfach lagen ihre Hüte, alle sorgfältig mit Seidenpapier umsteckt, und unten am Boden standen ihre Schuhe und Stiefel in einer geraden Reihe aufgestellt und dazwischen hingen die reizenden Gewänder, die sie, wie er wusste, alle selbst erfunden und mit Hilfe einer Schneiderin selbst ausgeführt hatte, alle von feinstem Geschmack und eigenartiger Fantasie zeugend.
Im Handstreich werden aus der Szene Rollenmuster abgeleitet. Hier die Frau, die die Kunst des Verkleidens übt: „Verhüllen, verstecken spielen!“ Dort der Mann, der mit den „Tändelschürzchen“ kämpft. Er will hinter die Fassade blicken und ist doch von nichts mehr fasziniert als von der Verkleidung.
Liliane bestimmt mit ihrer Fantasie, was Männer zu sehen bekommen. Ihr Name spricht Bände: Sie ist wie eine Liane, eine Schlingpflanze, die sich um die Männer windet, bis sie sich nicht mehr wehren können. Das Material steht im Schrank. Lilly schreibt Bücher mit ihren Kleidern:
Dieser Kleiderschrank bedeutete für Lilly von Robiceck soviel, wie für einen Dichter ein Band ausgewählter Novellen oder für einen Maler eine Sammlung wertvoller Studien.
Sie hatte dieses Talent von Kindheit an entwickelt, wie nur irgend ein strebsamer Künstler das seinige – ihr halbes Herz, ihr halbes Leben hing daran. Ihren herrlichen Körper, vor dessen reiner Nacktheit Franz Xaver Pirngruber in Andacht in die Kniee gesunken war, nicht wagend, ihn zu berühren, aus Ehrfurcht vor dem göttlichen Glanz der Schönheit – ihren Körper betrachtete sie nur als die Folie für die bunten, wechselnden Hüllen, für die sie allen ihren Künstlerfleiss und ihre Künstlerliebe aufwendete.
Für Männer sieht Wolzogen die Rolle des tobenden Berserkers vor. Nicht umsonst knüllt Franz Xaver aggressiv seine Radlerkappe, als er zu lange in den Kleiderschrank starrt:
Des Mannes Liebe aber entspringt der wilden Berserkerwut gegen die Hülle. Sie lockt, sie reizt ihn, wie jedes Hindernis, jede Schwierigkeit, jedes Geheimnis ihn reizt. Er will bei allen Dingen wissen, was dahinter steckt. Das Flüchtige will er erhaschen, das Fremde soll sich ihm beugen.
Ziemlich anstrengend, so ein male gaze.
Gastspiel in Berlin
Idee Nr. 3: Im Frühjahr 1899 reist Wolzogen nach Berlin, um mit dem Schriftsteller Hans Olden ein Theaterstück zu verfassen: „Das Gastspiel“, für eine Aufführung am Deutschen Theater. Vielleicht wird das ja der ersehnte Durchbruch am Theater.
Für Wolzogen steht also eine Menge auf dem Spiel, als er sich am 21. Oktober unter die Berliner Theaterleute und Journalisten mischt, die die Roulotte begutachten. Gestern, am 20. Oktober, hatte ein älteres Drama von ihm Premiere: „Ein unbeschriebenes Blatt“ im Neuen Theater am Schiffbauerdamm. Am 4. November startet „Das Gastspiel“ im Deutschen Theater.
Die Spannung steigt. Immer gut, wenn man da mitbekommt, was die anderen machen und wie gerade die Stimmung ist.
„Das Gastspiel“ wird nach zwei Vorstellungen abgesetzt. Nur das „unbeschriebene Blatt“ kommt an. Und das dank flacher Äußerlichkeiten: „Es ist schade um Ernst v. Wolzogen, daß er mit seinem großen Können und seinem echten, lebensvollen Humor sich neuerdings immer mehr zu Äußerlichkeiten verflacht und nicht mehr in die Tiefen hinabsteigt, in denen die echte Poesie schlummert.“ So meldet Max Schoenau am 14. November 1899 für die Münchner neuesten Nachrichten. Im gleichen Artikel berichtet er zustimmend über den phänomenalen Auftritt der Roulotte. Versteh einer die Kritiker!
Brettlsang. Satire im Simplicissimus. Das Burleske. Oberfläche und Äußerlichkeiten. Verkleiden und Verhüllen. Gardinenpredigt von der Bühne herab. Moment mal. Was, wenn das angebliche Problem eigentlich die Lösung ist? Bei der Roulotte jedenfalls passt all das zusammen und macht den Zuschauern sogar Spaß! Und ist die Roulotte nicht so etwas wie ein gesungener „Simplicissimus“? Lassen wir die echte Poesie ruhig schlummern. Bewahren wir uns den Humor.
Die Zickel-Connection: Variété am Alexanderplatz

Glücklicherweise ist Wolzogen in Austausch mit anderen Berliner Theatermachern. Für ihn der wichtigste: Dr. Martin Zickel, ein theaterbegeisterter junger Germanist, den alle schon mit akademischem Titel anreden, obwohl er seine Dissertation noch am 1. März 1900 verteidigen muss, um ihn wirklich tragen zu können.
Wie Wolzogen träumt Zickel davon, Intendant eines eigenen Theaters zu werden. Trotz des Altersunterschieds verstehen sich die beiden gut. Zickel, am 7. Dezember 1876 geboren, kommt wie Wolzogen aus Breslau. Zickels Vater, ein Kaufmann, stirbt früh. Seine Dissertation widmet er seinem Onkel Salomon, der in New York deutsche Auswanderer mit Büchern und Zeitschriften aus der Heimat versorgt.
Vordergründig mag Zickels Dissertation Lessings Theaterarbeit behandeln. Praktisch geht es ihm um eine Theaterreform. Der Regisseur, so Zickels Resumée, trägt entscheidend zum Gelingen eines Stücks bei: „Die Regie ist eine eigene Kunst“, der Regisseur eine „Mittelmacht“. „Er übersetzt die anleitenden, oft unsicher tastenden Worte des Dichters in die feste Sprache der Bühne. Er verleiht ihnen Körperlichkeit, Kraft und Leben“. Ohne „den praktischen Blick für die Bühne“ geht das nicht. Das wird Zickels Programm: Den Bühnenraum zur Verbindung zwischen Publikum und Dichteridee machen und die Regie professionalisieren.
Wie Zickel will Wolzogen modernes Theater machen, abseits der großen Häuser, auf eigene Rechnung. Die beiden sind sich einig: Die Roulotte ist der Schlüssel dazu!
Im Gegensatz zu Wolzogen verfügt Zickel über die nötigen Ortskenntnisse und hat beste Verbindungen zur Berliner Theaterszene. Der ehrgeizige Zickel ist künstlerischer Leiter beim akademisch-literarischen Verein der Universität und führt bei zwei Aufführungen im Rahmen der Goethefeier am 18. und 19. November Regie. Sein Organisationstalent hat er zuletzt Anfang September bewiesen, als er für seinen Verein das königliche Operntheater als Spielstätte und das Thalia-Theater für die Proben sicherte.
Berliner Secession
Kaum vier Wochen nach der ersten Matinéevorstellung der Roulotte gehen Zickel und Wolzogen mit ihren Plänen an die Presse. Ihre deutsche Variante, „literarisches Variété“ genannt, wird unter dem Dach von Zickels wichtigstem Projekt starten, der „Sezessionsbühne“.
Zickel lanciert eine Meldung im Berliner Tageblatt vom 17. November, die es offiziell macht: „Unter dem Namen „Sezessionsbühne“ hat sich in Berlin eine Vereinigung gebildet, die es sich zur Aufgabe setzt, einige Stücke zur Darstellung zu bringen, denen ihre Eigenart den Zutritt zu den Berliner Bühnen verwehrt.“
Als „Freie Bühne“ wollen Zickel und sein Kompagnon, der Schauspieler Paul Martin, zwei Matinéevorstellungen moderner Stücke im Neuen Theater ausrichten. Und noch etwas: „Im Februar wird der Versuch gemacht werden, Anregungen zu einem literarischen Variété in einer Matinee zu vereinigen.“ Dem Berliner Tageblatt ist das zu vage. Man erklärt: „Soll wohl bedeuten, nach Art der „Roulotte“ künstlerische Darbietungen leichterer Art zu bringen.“
Der Name „Sezessionsbühne“ ist nicht zufällig gewählt. Zickel und sein Kompagnon spielen an auf die im Moment wichtigste Strömung in der Bildenden Kunst.
In Berlin hat eine Künstlergruppe gerade offiziell eine eigene Secession gegründet. Sie stellt sich damit in eine Reihe mit der Münchener und Wiener Secession, die seit vielen Jahren für Aufsehen sorgen. Beide Gruppierungen setzen sich für moderne Kunst ein und streben eine Öffnung der akademischen Kunst für Dekoration, Design und das Kunsthandwerk an. Angefangen hat es 1892 in München, wo sich eine Gruppe junger Künstler von der bisherigen Künstlervereinigung abspaltet und eine neue, moderne Gruppe bildet. Nach ihrem Modell formiert sich 1897 die Wiener Secession, die ein Jahr später ein großes, eigenes Ausstellungshaus eröffnet. Das Gebäude wird vom Designer und Architekten Joseph Maria Olbricht im Jugendstil entworfen.

Nach dem Wiener Vorbild präsentiert sich die Berliner Secession seit dem 19. Mai 1899 in einem eilig hergerichteten, eigenen Ausstellungsgebäude in Charlottenburg. Es gibt kunstgewerbliche Kabinette, die moderne Möbel vor gestickter Wandbekleidung zeigen, und einen Illustratorensaal, in dem man Zeichnungen an den Wänden studieren oder bequem vom Sessel aus in ausliegenden Büchern durchblättern kann. Kontroverse Bilder, wie Max Slevogts Triptychon „Der verlorene Sohn“, das wegen seiner drastischen Gegenüberstellung von Luxus und Elend zum Ausstellungsbeginn für einen Skandal sorgt, erscheinen da fast als Nebensache.
Zickel findet: Diese Moderne, die sich für lebensnahes Kunsthandwerk einsetzt, gehört endlich auf die Bühne.
Ab November 1899 versuchen Wolzogen und Zickel, nach französischem Muster Schriftsteller zu gewinnen, die Gedichte für die Vertonung hergeben könnten.
Hierfür schließen sie sich mit dem Schriftsteller Otto Erich Hartleben zusammen. Der in Hannover geborenen Hartleben, ausgebildeter Jurist, wohnt seit 1890 als freier Schriftsteller in Berlin. Als er 1893 durch eine Erbschaft finanziell unabhängig wird, verlegt er sich aufs Netzwerken unter Künstlern. Allgemein rühmt man seine Trinkfestigkeit. Hartleben ist in gleich mehreren Berliner Künstlergruppen aktiv, gehört zum Herausgeberteam der Kunstzeitschrift PAN, die viel Lyrik bringt. Und er schreibt gelegentlich für die Zeitschriften „Simplicissimus“ und „Jugend“, der der Jugendstil seinen Namen verdankt. Auf der Suche nach modernen jungen Dichter, die Beiträge für Wolzogens und Zickels literarisches Variété liefern könnten, gibt es kaum eine bessere Adresse.
Dennoch bleibt die Suche nach Texten weitgehend erfolglos, Skepsis überwiegt. Der Münchener Schriftsteller Frank Wedekind etwa will Zickels Anfrage ablehnen, wie er im Brief vom 28. Dezember an Beate Heine, Gattin des Theatermachers Dr. Karl Heine, gesteht. Er traut dem Vorhaben nicht. Notfalls wolle er sich auf Verpflichtungen ihrem Mann gegenüber berufen, um eine Ausrede zu haben:
Martin Zickel bittet mich um Beiträge und Mitwirkung zu einem literarischen Varieté in Berlin. Ich denke nicht im Traum daran, darauf einzugehen, da ich Herrn Doctor [Heine] im Herbst auf die gleiche Anfrage beinahe einen Korb gegeben. Wenn das aber auch nicht der Fall wäre, so würde ich mich von der Sache, die meines Erachtens in einen großen Kladderadatsch ausläuft, fernhalten.
Kladderadatsch kann Wedekind, der gerade wegen Majestätsbeleidigung nach einem von ihm anonym im „Simplicissimus“ veröffentlichten Gedicht eine Festungshaft absitzt, nicht gebrauchen. Das erfordert höchste Diplomatie:
[V]on dem Berliner Unternehmen werde ich mich auf alle Fälle fern halten, möchte dadurch aber weder Zickel vor den Kopf stoßen, noch mich mit Hartleben und Wolzogen, die dabei betheiligt sind, noch mehr verfeinden, als ich es schon bin, und deshalb werde ich eine abwartende Stellung einnehmen. Bis jetzt habe ich Zickel noch garnicht geantwortet; drängt er mich, dann berufe ich mich auf meine Gebundenheit an Ihren Herrn Gemahl.
Die Theaterstücke, die Zickel als Oberregisseur der Sezessionsbühne inszeniert, kommen dagegen hervorragend an. Schon die erste Matinée am 10. Dezember erhält gute Kritiken. Angebote für eine Tournee trudeln ein. Dann geht alles ganz schnell. Anfang Januar, pünktlich zur zweiten Matinée am 21. Januar, kann Zickel ankündigen, dass die „Sezessionsbühne“ zu Beginn der nächsten Saison, im Herbst 1900, als stehendes Theater im ehemaligen Alexanderplatz-Theater in der Alexanderstraße 40 aufspielen wird.
Finanzier im Hintergrund: Der Operntenor Viktor Bausenwein, der das Theater von Besitzer Richard Quarg gepachtet und dort unter dem Namen „Victoria-Theater“ bisher Lustspiele gebracht hat. Bausenwein verlängert seine Pacht um vier Jahre. Die ehemalige Vaudeville-Bühne, in den siebziger Jahren als Hinterbau-Variété errichtet, soll für Zickel und Martin für einen zeitgemäßen Spielbetrieb umgebaut werden.
Eine abenteuerliche Konstruktion: Besitzer bleibt Richard Quarg, der den Saal vor langer Zeit für Variété-Vorstellungen gebaut hat. Mieter Bausenwein vermietet unter an Paul Martin, der die Bühne zusammen mit Zickel betreibt. Ob sich das lohnt?

Wolzogen verfolgt die Idee eines literarischen Variétés unabhängig weiter. Dabei helfen ihm Zickels Kontakte. Im Cafe des Westens am Kurfürstendamm, den neuen Treffpunkt der Berliner Bohème, hat er Zickels Freunde aus der Künstlervereinigung „Brille“ kennengelernt, wahrscheinlich schon bei Wolzogens Ankunft aus München im Frühjahr 1899.
Wolzogen hält sich regelmäßig im Café des Westens auf. Ein paar Häuser weiter bewohnt er ein schlichtes Hinterhauszimmer. Es ist seine Zweitwohnung, Frau und Kind sind in München geblieben. Dort hat er mit Hans Olden am „Gastspiel“ geschrieben. Im Café des Westens kommt er unter Leute.
Oscar Geller und das Variété

Wer ein literarisches Variété aufbauen will, muss sich mit dem bisherigen auskennen. Besonders, weil sich das Variété in der letzten Zeit stark verändert hat. Weg von Bühnen in europäischen Großtstädten, die von Patriarchen und ihrem über Jahre hinweg erworbenen Stil bestimmt werden, hin zu einem professionellen Netzwerk von Artisten und Bühnenkünstlern, die europaweit auftreten und sich ihres Marktwerts bewusst sind.
Variétés sind weiter nach Niveau gestafelt. Es gibt ein oder zwei erste Häuser am Platz, dann, in den Randbezirken einige weitere Lokale, die sich daran orientieren. Schließlich einfache, traditionelle Singspielhallen, Vaudevilles oder Cafés chantantes, in denen häufig die Grenzen zwischen Theater und und Kneipe, Bühne und Prostitution verschwimmen. Es gibt eine neue Dynamik im Betrieb. Die Nachfrage wird größer, die Erwartungen höher. Immer mehr Leute haben Geld übrig, um sich unterhalten zu lassen, und suchen Ablenkung und Attraktion.
Auch wohlhabende, auf ihren Ruf bedachte Leute gehen jetzt gerne ins Variété. Sie wollen etwas geboten bekommen. Das ist nicht mehr so einfach wie früher.
Das neue Unterhaltungsbedürfnis, das Wolzogen für seine literarisch orientierte Klientel ausmacht hat, treibt in der Welt des Variétés eine Professionalisierung voran. Intern, wenn geschäftstüchtige Künstler ihren Namen aufbauen, höhere Gagen verlangen und sich selbstständig machen können. Extern, weil Leute wie Wolzogen und Zickel das bisher als unseriös geltende Tingeltangel zum Schauplatz moderner Literatur umfunktionieren.
Wie findet man in dieser Welt des Variétés seinen Platz? Wie grenzt man ein „literarisches“ von einem „normalen“ Variété ab? Im Kreis der Künstlervereinigung „Brille“ findet Wolzogen Antworten, Hinweise und Unterstützung.
Zur „Brille“ gehören junge Schauspieler wie Max Reinhardt, der seit September 1894 am Deutschen Theater spielt. Er probiert seit 1898 im informellen Kreis neue Theaterideen, das Café im Westen dient als Treffpunkt seiner Gruppe. Die „Brille“ ist außerdem offen für Journalisten mit künstlerischen Ambitionen. Einer von ihnen ist Oscar Geller, der gerade frisch aus Hamburg als Lokalreporter zu den Berliner neusten Nachrichten gekommen ist. Unter dem Künstlernamen Luigi Spontelli spielt er in seiner Freizeit Pantomime.
Oscar Geller, 1863 in Kalusch in der heutigen Ukraine geboren, die damals zu Österreich-Ungarn gehört, geht mit seinem Vater Leo Geller 1874 erst nach Linz, später nach Wien, wo dieser sich vom Versicherungsagenten zum erfolgreichen Juristen emporarbeitet.
In Wien bekommt Oscar Geller den Aufstieg des Variétés von Anfang an mit. Bald begleitet er ihn als Journalist.
Ab 1885 schreibt Geller Kurzgeschichten, zunächst unter Pseudonym. Bald schreibt er vermehrt sogenannte „Artistengeschichten“. Dies wird sein Sprungbrett in den Variété-Journalismus. Ihm nützt, dass er in Wien an einer wichtigen Schaltstelle für Europas Variétészene sitzt.
Ab 1890 berichtet Geller regelmäßig für das Düsseldorfer Fachmagazin „Der Artist. Fachblatt für Unterhaltungsmusik und Artistik“, was es in der Wiener Variétészene Neues gibt. Ende 1892 erscheint in Budapest erste Ausgabe der „Internationalen Artisten-Revue“. Nicht zufällig, kommen doch viele hervorragende Artisten von hier, die später in Wien und anderen europäischen Städten Karriere machen. Geller ist einer der ersten Korrespondenten und schreibt für die „Internationalen Artisten-Revue“ Berichte aus Wien. Er wohnt zentral am Franz-Josef-Quai, man trifft ihn gleich nebenan im Artisten-Café Edison.
Dort baut Geller seine Kontakte zur Variétészene aus. Er verliebt sich in die sechs Jahre jüngere „italienische Opernsängerin“ Rose Lorma, mit der er sich am 1. August 1893 verlobt. Rose heißt eigentlich Roza Löwy und stammt aus der ungarischen Stadt Nagykanizsa. 1895 wird Geller Mitglied im neugegründeten „Budapester Artisten-Verein“.
In der Zwischenzeit kann Geller Artikel und Kurzgeschichten überall an deutsche Illustrierte verkaufen. Schließlich bekommt er 1896 in Hamburg die große Chance und tritt eine Stelle als Lokalredakteur bei der Neuen Hamburgischen Zeitung an. Im Dezember 1896 heiratet er Rose, die zunächst weiter als Sängerin auftritt. Als im März 1898 die Hamburger freie Presse, wo Geller mittlerweile beschäftigt ist, eingestellt wird, wechselt er zum Berliner Lokalanzeiger.
Im Café des Westens glänzt Geller mit seinen Kenntnisse über die Budapester Variétészene und die Gebräuche der Branche. Auch seine Artistengeschichten gibt er ihm zu lesen. Vor allem aber erklärt er ihm, wie sich vor ein paar Jahren hier in Berlin die Professionalisierung des Variétés abgelaufen ist.
Budapester Orpheum

Budapest entwickelt sich Anfang der neunziger Jahre zu einem Sammelpunkt talentierter Artisten, die von dort aus nach ganz Europa vermittelt werden können. Die dreimal pro Monat erscheinende, deutschsprachige „Internationale Artisten-Revue“, die in spezialisierten Cafés in allen europäischen Großstädten ausliegen, dient als Informationsquelle.
Hier erfährt man neue Trends und kann die Konkurrenz beobachten: Wer tritt gerade wo auf? Was wird in den größen europäischen Häusern gespielt? Es gibt wertvolle Tipps für reisende Variétékünstler, die neu in einer Stadt ankommen: Wer bietet eine vertrauenswürdige Unterkunft? Welche Agenten sind zuverlässig? In welchen Läden kann ich Material einkaufen? Vor allem aber: Wo sind die Artisten-Cafés, unverzichtbar als Treffpunkt, Anwerbe- und Aufenthaltsort?


Links: Karoly Somossy. Besitzer des Orpheum Somossy in Budapest. Rechts: Matthias Bernhard Lautzky, Chef der Budapester Orpheum-Gesellschaft in Wien (Fotos von 1894). Quelle: EPA/OSZK + Wienmuseum.
Die wichtigste Figur in Budapest selbst ist Georg Singer alias Karoly Somossy. Ungefähr 1828 im westungarischen Győr geboren, sammelt er zunächst Erfahrung beim Zirkus. Bald eröffnet er in Budapest immer wieder neue und stets größere Nachtclubs und Cafés, kurzzeitig auch Theater. Vor allem aber betreibt er ab 1870 Singspielhallen unter dem Namen Orpheum. Den größten Erfolg hat er ab 1894 mit der Eröffnung des Orpheum Somossy, eines Luxustempels mitten in Budapest, mit Variétéstars und bildhübschen Kellnerinnen, die mit der wohlhabenden Klientel Konversation auf hohem Niveau pflegen und den Champagner-Umsatz ankurbeln. Direktor Somossy gibt sich geheimnisvoll und thront als graue Eminenz über den Feiernden.
Der Ruf des Budapester Variétés ist so gut, dass Matthias B. Lautzky, als er 1889 erstmals eine Variété-Truppe für Auftritte in Wiener Hotels zusammenstellt, diese kurzerhand „Budapester Orpheum-Gesellschaft“ nennt. „Papa Lautzky“, wie Geller den 1819 geborenen Variété-Direktor ehrfürchtig nennt, verhilft seiner Gesellschaft dadurch zum Erfolg, dass er allzu grobe und schrille Elemente aus seinem Variété verbannt. Wie Somossy in Budapest macht er das Variété für größere Bevölkerungsgruppen akzeptabel.
Lautzky, so Geller am 20. Dezember 1893 für die „Internationale Artisten-Revue“,
ist und bleibt der geschmackvollste Varieté-Direktor, den man sich nur wünschen kann. Sein famoses, brillantes Programm wird nie verfehlen, Befriedigung hervorzurufen und immer zu gefallen, wo man eine vergnügte, heitere Stunde verleben will, ohne Angst vor allzu derber Rost. Wir finden auch deshalb im „Schwarzen Adler“ immer das distinguirteste Familienpublikum, das ganz getrost kommen kann.
Variété, distinguiert, geschmackvoll. Heitere Stunden für die ganze Familie!
Variété am Alexanderplatz

Niemand zeigt den Aufstieg der Budapester in Berlin besser als die die Gebrüder Herrnfeld. Anton, geboren 1866, stammt wie sein ein Jahr jüngerer Bruder Donat aus dem westungarischen Győr, der Heimatstadt Somossys. Die beiden sind ab spätestens 1891 in Deutschland auf Tour, zunächst als „Wiener Witz-Duettisten“. In der Saison 1893/94 spielen sie mit Berliner Parodientheater in der Oranienstraße, in der Saison 1894/95 folgt ein Engagement als „1. Original Budapester Possen-Theater“ in Breslau.
Ihr Berliner Aufstieg beginnt mit der Saison 1895/96, als ihr „Budapester Possen- und Operetten-Theater“ für Kaufmann’s Variété in den Königscollonaden verpflichtet wird, direkt neben dem Bahnhof Alexanderplatz. Dort erlebt das Variété gerade wieder eine Blütezeit. Im Mitelpunkt: Vaudeville-Direktor Richard Quarg.
Quarg hat in den siebziger Jahren ein floriendes Variété alten Typs, „Quarg’s Vaudeville Theater“ gegründet, das er jahrelang erfolgreich in einer kleinen Singspielhalle im Hinterbau der Alexanderstraße 40 betreibt. 1877, als die dänische Chansonettensängerin Camilla Andersen bei Quarg zu Tode stürzt, erzählt man sich von einer vorangegangenen Orgie mit Champagner und Weinrausch in dem „wohl jedem Berliner bekannten Vaudeville-Theater“. 1892 gibt Quarg das Lokal an Pächter ab, die es unter wechselnden Namen als Lustspieltheater betreiben.
Im September 1895 kehrt Quarg plötzlich zurück. Unterstützt von seinem Schwiegersohn bezieht er einen Festsaal des Central-Hotels direkt am Alexanderplatz – und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Herrnfeldern. Quarg aktiviert seinen alten Vaudeville-Namen und setzt das Programm fort, mit dem er den Sommer über im Friedrich-Wilhelmstädtischen Concert-Park großen Erfolg hatte.
Die beiden großen Variétés an der Friedrichstraße sind Quargs Vorbild. Der Zugang zur Bühne im Concert-Park
präsentirt sich ähnlich wie der Eingang zum Wintergarten oder zum Apollo-Theater. Buntfarbige Reclame-Placate, zumeist im Riesenformat prangen nach außen und begleiten den Besucher durch den Corridor. Gymnastiker fliegen am Trapez in kühnen Körperwendungen durch die Luft, schwarzbestrumpfte Cancaneusen und Bacchantinnen tollen durcheinander. Aufgedonnerte Costüm-Soubretten paradiren mit ihrem lebensgroßen Contrefei, musikalische Clowns, Excentrics, Kautschuk-Menschen und sonstige Favoriten der zehnten Muse beanspruchen die Gunst des Publikums.
Hier geht es um Stimmung:
In dichter Reihe sitzen die Zuschauer vor der Rampe und rühren die Hände zum dankbaren Applaus und unersättlichen Dacapoklatschen bei den humoristischen Vorträgen der Gesangskomiker und der feschen Costümsoubrette.
Die Herrnfelder, so wird im Laufe des Bühnenjahres klar, haben mehr zu bieten. Ihre komischen Typen, die sie in wechselnden Verkleidungen und mit viel Wortwitz auf die Bühne bringen, kommen beim Publikum einfach besser an.
Für die Saison 1896/97 wirbt Quarg die beiden ab, sie wechseln einfach auf die andere Seite des Bahnhofs Alexanderplatz ins Central-Hotel. Aber der Frieden hält nicht lang. Zur Saison 1897/98 kehren die Herrnfelder zurück in Kaufmann’s Variete. Ihr Programm zieht so gut, dass Quarg das Budapester Orpheum Lautzky und Spitzer an den Alexanderplatz holen muss. Hier gibt es auch Budapester! Vergeblich. Lautzkys Truppe kann nicht mithalten. Ab 1898/99 gehört der Alexanderplatz den Herrnfelder.
Dass das alte Variété jetzt von den Brettern gefegt wird, machen sie im August 1898 mit ihrer Anzeige zum Saisonauftakt unmissverständlich deutlich. Ihr „Budapester Possen- und Operetten-Theater“, heißt es, geht
aus dem alten, verräucherten, schmutzigen u. düsteren Kaufmann’s Variété als ein neuer Prachtraum hervor, der in seiner vornehmen Schönheit, der Gediegenheit seiner Einrichtungen sow. dem Geschmack seiner Ausstattung Anspruch auf allgemeine Beachtung erheben darf und eine grosse Überraschung namentlich für alle Alt-Berlin bieten wird, die die Räume des früheren Kaufmann’s Variété garnicht wiedeerkennen werden.
Wolzogen ist zwar kein Alt-Berliner, zieht aber seine Schlüsse daraus.
Das überholte Modell der Variété-Patriarchen ist die perfekte Vorlage für Wolzogens Selbstinszenierung als Direktor eines literarischen Variétés. Und die Professionalisierung des Variétés bietet Anhaltspunkte für das, was er selbst auf die Bühne bringen könnte.
Beim Wettstreit zwischen Richard Quarg und den Gebrüdern Herrnfeld am Alexanderplatz ist alles dabei: Das alte, auf Attraktion und Sensation ausgerichtete Vaudeville-Theater, das sich auf die Zugkraft des Namens Quarg verlassen kann. Das neue Budapester Theater der Gebrüder Herrnfeld, das sein Publikum zwar durch möglichst viele Pointen und Lacher unterhält, aber mit feinerem Sprachwitz.
Zu allem Überfluss bewegt sich Wolzogens Mitstreiter Dr. Zickel ab September mitten in dieser Szene, wenn die Sezessionsbühne in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alexanderplatz in Quargs allererster Spielstätte eröffnet. Wolzogen könnte hier nach wie vor ein Forum finden.
Warum nicht „Wolzogen’s buntes Theater“ statt „Quarg’s Vaudeville-Theater“ und „Herrnfeld’s Budapester Theater“?
Lieber versucht Wolzogen, sein literarisches Variété auf die ganz große Bühne zu bringen. Und die liegt auf der Friedrichstraße.
Der rasende Jüngling und sein Überbrettl


Links: Ernst v. Wolzogen veröffentlicht Ende Mai 1900 einen neuen Brettlsang im „Simplicissimus“. Rechts: Pariser Plakat von 1893 für die Tänzerin Loie Fuller, die gerade auf der Pariser Weltausstellung große Erfolge feiert.
Am 21.05.1900 veröffentlicht Wolzogen einen neuen „Brettlsang“ im „Simplicissimus“: „Madame Adèle“. Wie schon beim „feschen Domino“ und dem „Laufmädel“ schreibt er aus einer Ich-Perspektive, diesmal der einer Tänzerin und Prostituierten:
Oje, oji, hab nur ka Angst –
Ich sing auch Deutsch, wenns d‘es verlangst,
Denn mein Franzö’sch g’langt nur – o je!
Zum Hausgebrauch fürs Variété:
Ein Franzos’ ist nur mein Schneider –
Echt Paris sind diese Kleider.
Und drunter das ist auch kein Quark:
C’est un jupon pour achtzig Mark,
Die seidnen Strümpf kriegst schon für acht – –
Trulala, Trulala –
Was glaub‘n Sie, wie das glücklich macht!
Ihre illusionslose Sicht auf ein Leben, das sich in Konsum und Luxus erschöpft, den ihr reiche Männer bieten und den sie so lang wie möglich nutzen will, ruft Abscheu und Mitgefühl zugleich auf. Wieder kultiviert Wolzogen die ironische Distanz als überlegene Haltung eines Außenstehenden, der fasziniert und angeekelt zugleich auf etwas starrt, was er nicht sein will: Was ein Glück, das ich nicht so bin. Aber trotzdem faszinierend.
Mit „Madame Adèle“ markiert Wolzogen sein Terrain: Das literarische Variété, der gesungene „Simplicissimus“ kommt. Ausladend, exaltiert, bissig-ironisch. Arrogant, von oben herab.
Die Zeichnung der Madame Adèle, die Ferdinand v. Reznicek für den „Simplicissimus“ erstellt, ist bis ins Detail abgekupfert von einer älteren Darstellung der Loie Fuller, die seit vielen Jahren in Paris ihre raffiniert ausgeleuchteten Serpentinentänze aufführt. Der Schneider von Rezniceks Adèle ist „ein Franzos“, im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat eines der Pariser Plakate, das Loie Fuller in voller Aktion zeigt, spiegelverkehrt als Vorlage verwendet.
Loie Fuller zeigt wie kaum jemand anders die Probleme, vor denen man moderne Unterhaltung in Deutschland steht. Ihre Tänze bedienen Schaulust und da Bedürfnis nach neuartigen Attraktionen. Aber ihre verführerische Illusionskunst trifft auf moralische Vorbehalte. Sie stößt ab und fasziniert zugleich.
Den Widerspruch zwischen Lebensfreude und zweifelhafter Moral, den der deutsche Betrachter empfinden könnte, projiziert Wolzogen kurzerhand in die Person der Tänzerin: eine leichtlebige Prostituierte, die ihre unbändige Lebensfreude teuer bezahlen wird. Irgendwie beruhigend: „Ein Franzos‘ ist nur mein Schneider“, die Moralvorstellungen bleiben deutsch.
Mit so einer Verbindung von Voyeurismus und Moral, so Wolzogens Kalkül, könnte man ein literarisches Variété nach Berlin bringen. Das Gedicht im „Simplicissimus“ ist Startschuss und Programm zugleich, im Herbst soll es losgehen.
Wunschort Friedrichstraße
Das Konzept mag Ende Mai 1900 feststehen. Jetzt muss Wolzogen ein geeignetes Lokal finden – und Geldgeber, die das Unternehmen finanzieren.

Wolzogen will unbedingt an die Friedrichsstraße, die gehobene Vergnügungsmeile der Stadt. Hier bieten der „Wintergarten“ des Central-Hotels am Bahnhof Friedrichstraße und vor allem das „Apollo“ weiter südlich ein attraktives und immer gut besuchtes Variétéprogramm. Genau die Umgebung, in die man mit einem „bunten Theater“ literarischen Anspruch bringen kann. Der Alexanderplatz, wo das Budapester Variété den Ton angibt, gilt Wolzogen nicht als ernste Alternative. Auch wenn es das Publikum ebenfalls in Scharen anlockt.
Eins steht fest: Leichte Unterhaltung steht überall hoch im Kurs. In einer statischen Erhebung, die der Schauspieler Berthold Held für die Saison 1898/1899 über die beliebtesten Werke an deutschen Bühnen angestellt hat, steht der Schwank „Im weißen Rössl“ von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg mit 1692 Aufführungen weit vorne auf der Liste. Die Autoren sind dank ihrer vielen weiteren Bühnenschwänke die beiden erfolgreichsten Theaterschriftsteller überhaupt, Blumenthal der „König der Tantiemen“. Mit solchen Argumenten dürften sich Geldgeber finden lassen.
Das wird schwierig. Die Lösung: Eine gute Pressearbeit. Talk of the town zu werden ist die beste Werbung. Wolzogen lässt seine Kontakte aus dem Café des Westens spielen. Damit hofft er, die gerade laufende Verhandlung zur Finanzierung in seinem Sinne lenken zu können.
Der rasende Jüngling

Das Kaiser-Hotel, Friedrichstraße 176-177. Im Erdgeschoss das Restaurant Zum Weihenstephan. Im Keller ist noch Platz. Quelle: Humboldt-Universität.
Oscar Geller lanciert eine Mitteilung im Fachblatt „Der Artist“, die am Donnerstag 30. Mai erscheint. Der Theaterjournalist John Schikowski, der regelmäßig das Neueste aus der Hauptstadt an den „Hannoverschen Kurier“ meldet, wird ebenfalls eingeweiht. Schließlich ist er sowohl mit Wolzogen als auch mit Hartleben befreundet. Schikowski berichtet Details in der Abendausgabe desselben Tages nach Hannover.
Berliner Zeitungsleser erfahren all das erst einen Tag später, indem der „Berliner Tageblatt“ aus dem „Artisten“ und dem „Hannoverschen Kurier“ abschreibt.
„Der Artist“ druckt ab, was Wolzogen in typisch exaltierter Manier aufgesetzt hat. Es steckt voller Anspielungen auf Dichterstreitigkeiten, die Secession und das herkömmliche Variété. Das kann lustig werden:
Eine „Roulotte der Modernen“, ein modernes „Brettl“ soll im Entstehen sein. Man will in Berlin ein „literarisches“ Variété-Theater begründen, auf welchem die Jungen und die Jüngsten, die „Grünen“ und die „Violetten“, die Dekadenten und die Symbolisten, die Gedankenstrich-Lyriker ohne Gedanken und die Literatur-Gigerl von der „Insel“ ihr Licht leuchten lassen sollen.Mit beißendem Witz sollen Couplets und Parodien und die hypermodernsten Comödien geboten werden. An der Spitze dieses neuen, eigenartigen Unternehmens soll kein Geringerer stehen als — Ernst von Wolzogen, der bereits unter Schriftstellern, secessionistischen Malern, Kunstgewerblern und Schauspielern Mitwirkende sucht. Das kann lustig werden! Man soll für das Theater die Bezeichnung „Das bunte Theater zum rasenden Jüngling“gewählt haben.
Man darf bezweifeln, dass die Leser des Artisten viel mit den Hinweisen auf aktuelle Literaturkonzepte wie „Dekadenz“ und „Symbolismus“ und die Anspielung auf Bierbaums Literaturzeitschrift „Insel“ anfangen können. Das entscheidende an der Notiz ist der Ort: Wolzogen informiert zuerst das Variété, dass er eine literarische Variante auf die Bühne bringen will, nicht das Feuilleton. Das muss sich genauso für den Tingeltangel öffnen, wie er es tut.
Der „Hannoversche Kurier“ weiß mehr. Schikowski lässt die blumigen Andeutungen weg und listet die Fakten auf.
Der Kaiserkeller in der Friedrichstraße ist das Lokal in bester Lage, das Wolzogen mit einem „Buntem Theater zum rasenden Jüngling“ im Herbst beziehen wird! „Zum rasenden Jüngling“, das klingt wie der Name eines staubigen Landgasthofs mit Bühnensaal, nur ironisch verzerrt. Hohe Eintrittspreise machen klar, welches Publikum dort einkehren soll: Reiche Leute, die sich spät abends in exklusivem Ambiente modern amüsieren wollen. Variété oder Theater? Beides!
Ein litterarisches Variété in Berlin. Der schon öfters aufgetauchte Plan der Gründung eines litterarischen Tingeltangels – etwa nach Muster des verflossenen Pariser „chat noir“ — hat jetzt Aussicht auf Verwirklichung. Unter dem Namen „Buntes Theater zum rasenden Jüngling“ wird sich mit Beginn der nächsten Saison in den Räumen des Kaiserkellers in der Friedrichstraße ein Variete aufthun, dessen Organisator und geistiger Leiter Ernst v. Wolzogen ist. Ihm zur Seite steht als artistischer Beirath der Schriftsteller und Dramaturg Dr. Walter Harlan. Der für die Aufführungen eingerichtete Saal soll außer der kleinen Bühne nicht mehr als 300 Zuschauerplätze enthalten und das Entree verhältnißmäßig hoch sein: kein Platz unter 3 M. Beginn der Vorstellungen ist auf eine spätere Abendstunde festgesetzt, als es bei den Berliner Theatern bisher üblich war, nämlich auf ½10 Uhr.
Wolzogen hat ein Publikum im Visier, das sich modern amüsieren will. Leute, die das Geld haben, aber denen Oper und Theater zu anstrengend sind. Leute, die unterhalten werden wollen, sich jedoch nicht mit den derben Krachern des herkömmlichen Variétés zufriedengeben.
Im Gegensatz zu der primitiven Einrichtung des chat noir, wo man bekanntlich auf schlichten Holzbänken Platz nahm, wird die Sitzgelegenheit in bequemen Fauteils bestehen, von denen einzelne besonders bevorzugte die Namen von modernen Dichtern oder litterarischen Persönlichkeiten, die sich um das neue Unternehmen verdient gemacht haben, führen werden. Außer dem Vortrage von kleinen Liedern und Couplets sollen Dramoletts, Pantomimen, Marionettenspiele etc. zur Aufführung kommen. Die Zote ist prinzipiell ausgeschlossen, und der litterarische Charakter des Unternehmens wird in der Zusammenstellung des Programms und in der Art der Darstellung streng gewahrt bleiben.
Luxus in der Ausstattung wird mit leichtem Programm auf der Bühne kombiniert. Gepflegt, in bequemen Sesseln, die die Namen von Dichtern tragen. Gut zu wissen: Die Grenzen des Schicklichen bleiben gewahrt. Auch wenn es gewagt oder gar frivol wird: Hier sind Künstler am Werk. Bloß keine Zoten reißen!
Schikowski schließt optimistisch:
Die nothwendige finanzielle Grundlage für die Realisirung des Wolzogenschen Projektes ist bereits geschaffen, und so wird Berlin voraussichtlich in der nächsten Saison um eine originelle weltstädtische Sehenswürdigkeit reicher sein.
Der Optimismus hält nur bis Montag 3. Juni. Der „Hannoversche Kurier“ muss in seiner Morgenausgabe eine Richtigstellung drucken. Wolzogens Partner und Geldgeber sind in letzter Minute abgesprungen: „Der Eigenthümer des Kaiserkellers in Berlin“ lässt erklären, dass „der Kaiserkeller jedenfalls als Ort der Bethätigung dieser neuesten literarischen Bestrebung im Sinne des gedachten Unternehmens ausgeschlossen“ sei. Verhandlungen habe es zwar gegeben, seien aber „schon vor mehreren Tagen ohne Resultat zu Ende gegangen“. Wolzogen, so wird deutlich, hat mit der verfrühten Pressemeldung Fakten schaffen wollen. Vergeblich.
Das Überbrettl
Die Zeit drängt. Bis Ende Juni muss ein Lokal her, wenn Wolzogen noch in der kommenden Saison dabei sein will. Schnell organisiert er neue Finanziers und, entscheidend, ein neues Lokal. Das Foyer des Hotel Imperial, Unter den Linden 44, an der Kreuzung zur Friedrichstraße, könnte man zu einem Theatersaal umbauen. Das wäre doch was.
Wolzogen benennt sein Projekt um. Ein unverwechselbarer Markenname muss her. Der „rasende Jüngling“ als Name für eine seltsame Gaststätte bleibt. Die Bühne wird ein „Ueberbrett’l“.
„Ueberbrett’l“, nur richtig mit Apostroph und Ue, ist so schwierig zu schreiben, dass es jedem im Gedächtnis bleibt. Die Vorsilbe „Über-“ könnte eine Anspielung auf Nietzsches Übermenschen sein. Das wäre sehr modern. Wahrscheinlicher ist, dass Wolzogen sie wie „mega“, giga“ oder „ultimate“ verwendet und uns besonders gute Unterhaltung verspricht. Auf den Sound kommt es an. Auch Dialektwort „Brettl“ umkreist ironisch, worum es geht. Eine Hintertreppenbühne mit altmodischem, zweitklassigem Programm hat Wolzogen jedenfalls nicht wirklich vor.
Am 28. Juni kündigt die Presse wieder einen unmittelbar bevorstehenden Vertragsabschluss an. Auch erste Namen von beteiligten Musikern und Dichtern werden kolportiert, vorneweg Arthur Schnitzler und Richard Strauß. Beide beteiligen sich später tatsächlich, aber nur mit je einem Stück. Otto Julius Bierbaum, den Wolzogen seit seiner Münchener Zeit kennt, stellt dagegen großzügig Gedichte zur Verfügung. Aber wieder ist die Sache nicht so eindeutig, wie Wolzogen glauben machen will.
Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling soll nach den jüngsten Beschlüssen das von Ernst von Wolzogen geplante literarische Variété in Berlin genannt werden. Über die Finanzirung des Unternehmens, welches am 1. Oktober d. J. eröffnet werden soll, wird in den nächsten Tagen in einer Versammlung der Interessenten endgiltig beschlossen werden. Die Lokalfrage beschränkt sich auf die Friedrichstadt, wo allerdings das in Aussicht genommene Lokal für die Zwecke des Unternehmens ausgebaut werden muß. Falls die Arbeiten bis zum 1. Oktober nicht fertig gestellt sein sollten, würde die Eröffnung in einem Interimslokal stattfinden.
Ein paar Tage später gibt die „Berliner Börsen-Zeitung“ das Scheitern bekannt. Wolzogens Finanzier will weitreichende Kontrolle über das Programm, Wolzogen selbst Entscheidungsfreiheit. So wird das nichts. „Herr v. Wolzogen, welcher augenblicklich auf Reisen ist, wird im Herbst noch einmal versuchen, geeignete Interessenten heranzuziehen.“ Erstmal Ferien.
Als scout auf der Weltausstellung

Sada Yacco (dritte von links) auf der Pariser Weltausstellung 1900. Quelle: Gallica/BNF.
Wolzogen sieht sich im Frühsommer 1900 die Pariser Weltausstellung an. Es geht ihm, so behauptet er später, bloß darum zu klären, wie er es nicht machen will. Schließlich ist sein Überbrettl ein Produkt der eigenen, an Idealen geschulten Fantasie.
In Wirklichkeit ist Wolzogen als scout unterwegs und sammelt Anregungen.
Es mag sein, dass Wolzogen die Roulotte, die auf der Unterhaltungsmeile Rue de Paris eine eigene Schaubude betreibt, kein zweites Mal besucht. Mit Sicherheit aber sieht er sich die Serpentinentänze der Loie Fuller an und beobachtet, wie man modernstes elektrisches Rampenlicht für eine effektvolle Bühnenbeleuchtung einsetzt. Nebenbei lernt er japanische Pantomime und Tanz kennen. Die japanische Theatergruppe um Sada Yacco gibt bei Fuller ein Gastspiel.
Unwahrscheinlich, dass Wolzogen nicht auch direkt gegenüber im Palais de danse einkehrt und sich von Cléo de Mérode verzaubern lässt. Sowieso nicht vermeiden lässt sich ein Blick auf die auteurs gais, die mit Fantasiekostümen, Pauken und Trompeten auf der Veranda neben Loie Fuller regelmäßig einen Klangteppich ausbreiten.
Beim Flanieren über das riesige Ausstellungsgelände mit den Pavillons der einzelnen Nationen wird er schließlich eine ganz besondere Attraktion entdecken: Le village suisse.


Am Rande des Marsfelds, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Palast der Elektrizität, darf man Schweizer Dorfbewohner in authentischer Tracht beim Ziegenhüten und Heusammeln beobachten. Entlegene Bergdörfer und modernste Technik gehören offenbar zusammen.
Trachten, schöne Tänzerinnen, japanische Pantomime und elektrisches Licht. All das spielt zwar für das aktuelle „Überbrettl“ nur eine untergeordnete Rolle. Umso wichtiger wird es später für dessen Weiterentwicklung.
Abbildungen
Ernst v. Wolzogen (Porträt von Paul Heyse). Paul Heyse, Das literarische München, München : Bruckmann 1899, S. 22r. Link zur BSB. Creative Commons 4.0.
Das Laufmädel. Simplicissimus Heft 23, Jg. 3 (1898/1899), S. 272 (19.11.1898). Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Steinlen, Théophile Alexandre (Zeichnung)
A fescher Domino. Münchner Brettlsang. Simplicissimus Heft 47, Jg. 3 (1898/1899), S. 376 (18.02.1899). Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Reznicek, Ferdinand Frh. v. (Zeichnung)
Madame Adèle. Simplicissimus Heft 8 Jg. 5 (1900/1901), S. 68 (21.05.1900).
Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Reznicek, Ferdinand Frh. v. (Zeichnung)
Jules Chéret: Folies Bergère. La Loïe Fuller [affiche] [Imp. Chaix (Ateliers Chéret), Paris], [1893]. Link zu Gallica/BNF. Public Domain.
Ernst von Wolzogen: Das dritte Geschlecht. Roman. Mit Buchschmuck von Walter Caspari, Berlin: Eckstein 1899. Link zur BSB München.
- S. 14: Paare auf dem Weg zum Standesamt.
- S. 83-84: Verkleiden als Kunst der Frauen.
- S. 85: Männliche und weibliche Eitelkeit.
Martin Zickel. Berliner Leben Jg. 7 (1904) Heft 5. Link zur ZLB Berlin.
Illustratorensaal in der Berliner Secession (Foto 1899). Deutsche Lesehalle Nr. 24 (1899), S. 188. Link zur BSB München.
Village suisse. In: In: Le Théâtre Heft 40/1900 (16. August 1900), ohne Seitennummerierung. Link zu Gallica/BNF.
Arsène Alexandre: Théâtre de Loie Fuller. Pantomimes japonaises. In: Le Théâtre Heft 41/1900 (1. September 1900), S. 16-18. Link zu Gallica/BNF.
- nach S. 17: Cleo de Mérode
- S. 17: Der Ritter und die Geisha, 1. Akt
- S. 18: Der Ritter und die Geisha, 2. Akt
Literatur
Wolzogen in München:
- Wilhelm von Scholz: Aus der Münchener Litterarischen Gesellschaft. In: Das literarische Echo Jg. 1 (1898-1899), Heft 9 (1.2.1899), Sp. 599-601. Link zur Universität Innsbruck.
- Münchner neueste Nachrichten 20.4.1898 Vorabendblatt. Troilus und Cressida als Burleske. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
- Münchner neueste Nachrichten 20.4.1898 Vorabendblatt. Wolzogens Gardinenpredigt. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
Börsenblatt des deutschen Buchhandels Nr. 140 (Dienstag 20.06.1899) Jg. 66, S. 4493 + 4620. Anzeige für Wolzogen, Das dritte Geschlecht. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
Die meistgelesenen Bücher. Ein statistischer Versuch. Das literarische Echo Jg. 3 (1900-1901), Heft 7 (1.1.1901), Sp. 505-509.
Berthold Held: Was leistet das gegenwärtige deutsche Theater? In: Bühne und Welt 2 (1899/1900), S. 145-151. Link zum Hamburger Kulturgut digital.
Martin Zickel und der Start der Sezessionsbühne:
- Berliner Tageblatt 17.11.1899 Morgenausgabe: Eine Sezessionsbühne in Berlin. Link zum Deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt 5.9.1899: Zickel als künstlerischer Leiter des Akademisch-literarischen Vereins. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- 28.10.1899 Norddeutsche allgemeine Zeitung: Die studentische Goethefeier. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger 8.12.1899: 1. Matinée der Sezessionsbühne: Der Besiegte. Sagendrama in 1 Aufzuge von Wilhelm v. Scholz. Der Kammersänger. Drei Scenen von Frank Wedekind. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Münchner neueste Nachrichten 17.12.1899: Max Schoenau, Berliner Plaudereien (Über die erste Matinée der Sezessionsbühne). Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt 11.12.1899: Die Sezessionsbühne (Über die erste Matinée der Sezessionsbühne). Link zum Deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt Abend-Aussage 22.12.1899: Geplante Tour der Sezessionsbühne im Mai 1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger 13.1.1900: 2. Matinée der Sezessionsbühne am 21.1.1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Unterhaltungsblatt des Vorwärts 15.01.1900: Viktor Bausenwein pachtet das Alexanderplatz-Theater. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Hannoverscher Kurier Morgen-Ausgabe 25.01.1900: John Schikowski, Berliner Theaterbrief (2. Matinée + Pacht des Alexanderplatz-Theaters). Link zu gwlb.
Martin Zickel: Die scenarischen Bemerkungen im Zeitalter Gottscheds und Lessings, Berlin 1900, S. 50. Link zu Google Books.
Die Berliner Kunstausstellungen 1899. Mit fünf Spezial-Aufnahmen für die „Lesehalle“ aus dem Atelier Geifrig, Berlin W. Deutsche Lesehalle Nr. 24 (1899), S. 188-199. Link zur BSB München.
Frank Wedekind an Beate Heine, Festung Königstein 28. Dezember 1899: „Martin Zickel bittet mich um Beiträge und Mitwirkung zu einem literarischen Variété in Berlin. Ich denke nicht im Traum daran, darauf einzugehen“. Link zur Briefedition Wedekind.
Frank Wedekind an Emilie Wedekind, Festung Königstein 28. Dezember 1899: „In Berlin wollen Hartleben und Wohlzogen ein literarisches Variété unter meiner Mitwirkung begründen. Ich bin aber noch sehr im Zweifel ob ich daran theilnehme“. Link zur Briefedition Wedekind.
Wolzogens Pläne für das Überbrettl:
- Eine „Roulotte der Modernen“. Leipziger Tageblatt 2.6.1900, S. 18. Link zum deutschen Zeitungsportal. („Der Artist“-Text komplett).
- Das Brettl der Modernen. Münchner neueste Nachrichten 2.6.1900 Morgenblatt. Link zur BSB München. („Der Artist“-Text auszugsweise).
- John Schikowski: Ein litterarisches Variété in Berlin. Hannoverscher Kurier Mittwoch 30. Mai 1900 Abendausgabe. Link zu gwlb.
- 31. Mai 1900 Berliner Tageblatt Morgenausgabe. Link zur Zefys.
- Litterarisches Variété in Berlin. Hannoverscher Kurier 3. Juni 1900 Morgenausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. General-Anzeiger der Stadt Mannheim 28. Juni 1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. Hannoverscher Kurier 28.6.1900 Morgenausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ernst v. Wolzogens literarisches Variété-Theater. Berliner Börsen-Zeitung 8.7.1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Das Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung 20.09.1900 Abendausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Oscar Geller: Das „Ueberbrettl zum rasenden Jüngling”. Eine Unterredung mit Herrn v. Wolzogen. Hannoverscher Kurier 31. Oktober 1900 Morgenausgabe. Link zu gwlb.
- Oskar Geller: Das literarische Tingl-Tangl. Eine Unterredung mit Freiherrn v. Wolzogen. In: Neue Freie Presse. Morgenblatt. 11. November 1900, S. 31-32. Link zu Anno.
Otto Erich Hartleben: Briefe an Freunde. Herausgegeben und eingeleitet von Franz Ferdinand Heitmüller, Berlin: Fischer 1912, S. 274-275.
Otto Julius Bierbaum an Ernst v. Wolzogen. Brief vom 30. November 1900 („Die Legende von einem Ueberbrettl”). Link zur BSB München.
Zickel, Geller und das Café des Westens:
- Otto Riebicke: Berliner Briefe. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 7.6.1921, S. 777-781. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Oskar Geller: Max Reinhardt und die Pantomime. AZ am Morgen 12.08.1925, S. 4. Link zur BSB München.
Recherche zu Quarg’s Vaudeville-Theater und den Herrnfeldern am Alexanderplatz:
- Tod der Chansonettensängerin Camilla Andersen. Staatsbürger-Zeitung 25.7.1877 + Staatsbürger-Zeitung 3.8.1877
- Friedrich-Wilhelmstädtischer Concert-Park. Staatsbürger-Zeitung 15.6.1895
- Friedrich-Wilhelmstädtischer Concert-Park. Staatsbürger-Zeitung 24.8.1895
- Anzeige: Quarg’s Vaudeville Theater. Staatsbürger-Zeitung 6.9.1895
- Anzeige: Kaufmann’s Variété. Staatsbürger-Zeitung 16.8.1896
- Quarg’s Vaudeville-Theater am Alexanderplatz. Staatsbürger-Zeitung 8.9.1897
- Anzeigen: Kaufmann’s Variété + Quarg’s Vaudeville-Theater. Staatsbürger 9.9.1897
- Anzeige: Kaufmann’s Variété. Staatsbürger-Zeitung 11.8.1898
- Anzeige: Kaufmann’s Variété. Staatsbürger-Zeitung 17.8.1898
- Der alte Quarg. Internationale Artisten-Revue 515 (1906).