„Grün ist die Heide“ und die Erfindung des deutschen Heimatfilms


„Grün ist die Heide“ von 1932 definiert ein neues Genre. Die Filmleute vom Deutschen Lichtspiel-Syndikat liefern den echten deutschen Heimatfilm, den bisher keiner hinbekommen hat. Ein populäres Lied gibt Sound und Stimmung vor („Grün ist die Heide“). Ein Schriftsteller dient als Zugpferd („Löns“). Alles möglichst volkstümlich, bunte Unterhaltung für die ganze Familie.
Die Erfindung des deutschen Heimatfilms

Die Saisonvorschau des D.L.S. im Fachblatt „Der Kinematograph“ kündigt am 9. August 1932 etwas ganz Neues an: „Die Heidelieder Hermann Löns‘ erklingen in diesem ersten wirklichen Heimatfilm“. Das wird später für die Kinowerbung ganz groß ausgebaut: „Grün ist die Heide“ – ein „echter deutscher Heimatfilm“.
Der Begriff „Heimatfilm“ wird der unique selling point, etwas, das den Film von der Konkurrenz abhebt. „Grün ist die Heide“ ist weder nur ein „Heimatfilm“ noch bloß ein „deutscher Heimatfilm“. Nein, wir versprechen dem Publikum einen „echten deutschen Heimatfilm“. Das habt ihr noch nicht gesehen!
Ziemlich übertrieben. Werbung halt. Mit den Adjektiven „echt“ und „deutsch“ werben viele andere auch. Allerdings enthält „Grün ist die Heide“ als erster Film alle Merkmale des Genres „Heimatfilm“ und ist insofern stilprägend. Schauen wir uns das mal genauer an.
Heimatfilm = Dokumentarfilm
Der früheste Beleg, den die digitalen deutschen Zeitungsarchive für den Begriff „Heimatfilm“ bieten, findet sich in einem Bericht der Bergedorfer Zeitung vom 27. August 1918 über ein Filmprojekt aus Mecklenburg. Der Film zeige, was die Region „an landschaftlichen Reizen und schönen Städtebildern, an historischen Denkmälern und Bauten, an Sitten und Volksgewohnheiten, an Bodenerzeugnissen“ zu bieten hat. Zugegeben, zuviel Sehenswürdigkeiten könnten langweilig werden. Dafür haben die Filmleute eine Lösung: „Diese Bilder werden im Rahmen einer Lustspielhandlung zu einem Gesamtbild vereinigt“.
Unter „Heimatfilm“ versteht man offenbar von Anfang an zweierlei. Er kann ein Dokumentarfilm sein, der eine deutsche Region präsentiert. Oder ein Spielfilm, der mit Dokumentaraufnahmen verknüpft ist. Stichproben gefällig?
- „Ein Film von der Isar“, 1920 in München gezeigt, ist reinstes guerilla filmmaking, anzügliche Witze inklusive. Eine Floßfahrt auf der Isar, von Berg zu Tal, brav werden Orte abgeklappert. Dann: „Ein lustiges Zwischenspiel, ein Floß ist festgefahren, zwei Teilnehmer an der Fahrt nehmen ein Bad vom Floß aus, das ihnen samt dem so nötigen Gewand entgleitet.“ Nacktbaden vor Alpenpanorama! Weiter geht’s. „Jäh reißt der schöne Heimatfilm ab – der Aufnehmer war mit dem Kurbelkasten an das Gebälk der Holzbrücke kurz vor der Lände gestoßen“ (Münchner neueste Nachrichten 30. November 1920).
- Wie wäre es stattdessen mit dem „prachtvoll gelungenen Heimatfilm ‚Schleswig-Holstein meerumschlungen‘“? In fünf Teilen ist alles dabei: Fischfang auf hoher See, Volksfeste, der Hamburger Hafen und Helgoland (Harburger Tageblatt 16. Dezember 1924).
- „Westfalen“, ein „westfälischer Heimatfilm“, präsentiert in sechs Akten Ruhrgebiet und Münsterland als Gegensatz: „Das Land der geräuschvoll pochenden Eisenhämmer ist daneben das Land der ruhig behäbigen Idylle, in die Schlösser altadliger Herrengeschlechter hineingestellt worden sind“ (Münsterischer Anzeiger, 3. Juli 1925).
- „Vom Geigenbau in Mittenwald“, ein „bayerischer Heimatfilm“, der „mit zwangloser Anschaulichkeit, sozusagen im Plauderstil, den Werdegang der Mittenwalder Geige“ schildert (Münchner neueste Nachrichten, 9. November 1926).
Manchmal werden Heimatfilme aus verschiedenen Gegenden zu Paketen kombiniert:
- „Harzer Heimatfilme“ als double feature: „Im Silberbergwerk. Der Oberharzer Erzbergbau“ plus „Der Harz im Winter“, ein „Heimatfilm von winterlicher Pracht“ (Thalia-Theater, Bergedorfer Zeitung 07. Februar 1925).
- „Deutsche Heimat-Filme“ im Viererpack: 1. Die Nordsee, 2. Im Riesengebirge, 3. Das Erzgebirge, 4. Der Oberharz (Palast-Theater, Bielefeld, Westfälische Zeitung 3. März 1926).
Filme, die „Heimatfilm“ heißen, aber eine durchgehende Spielhandlung haben, gibt es auch. Carl Boese inszeniert 1925 gleich zwei davon:
- „Die eiserne Braut“ (Zensurprüfung 28.10.1925), im Mittelpunkt ein Schiffskapitän im Hamburger Reedermilieu. „8 Akte von deutschen Schiffen u. blauen Jungens. In Kiel, Finkenwärder und auf der Nordsee spielt unser großer Heimatfilm“ (Wilhelmsburger Zeitung, 26. Februar 1926).
- „Grüß mir das blonde Kind am Rhein“ (Zensurprüfung 18.12.1925), der „Rhein-und Heimatfilm“ „ist so packend gekurbelt, daß man ihn erlebt mit klopfendem Herzen“. Kneipende Studenten, Weinbauer, rheinische Mädel und rheinischer Wein bilden den Rahmen für ein Liebesdrama. Die junge Näherin Maria muss sich entscheiden: Wird es ein adeliger Student oder doch Hannes, der Sohn eines Weinbauern (Ratinger Zeitung 20. Mai 1926)?
Heimatfilm = Ganghofer-Film
Auf die große Bühne gelangt der „Heimatfilm“ von München aus. 1927 stellt eine Reportage die „Filmstadt München“ in ganz Deutschland vor. Für die dort ansässige „Münchener Lichtspiel-Kunst“, kurz Emelka, so ist zu lesen, sei das Miteinander von Dokumentar- und Spielfilm ganz selbstverständlich. Hier bemühe man sich schon seit Gründung 1918, „den bayerischen und später den deutschen Heimatfilm selbst herzustellen und durch Deutschlands Städte laufen zu lassen“. In der „großen Reihe von Spielfilmen aus Heimat und Fremde“ haben „Ganghofer beste Romane breiten Raum“ (Stadtanzeiger für Castrop-Rauxel, 10. Dezember 1927).
Da ist er, der „deutsche Heimatfilm“! Nicht zufällig taucht der Begriff in Zusammenhang mit dem Schriftsteller Ludwig Ganghofer auf. Die Rechte an der Verfilmung seiner Werke hat sich der Münchener Filmemacher Paul Ostermayr schon 1918 gesichert. Mit ihm als Mittelsmann produzieren verschiedene Münchener Produktionsfirmen fast jedes Jahr einen neuen Ganghofer-Film.
Der erste Ganghofer-Film, der als „Deutscher Heimatfilm“ beworben wird, ist die Emelka-Produktion „Der Jäger von Fall“ (Uraufführung: 14. Oktober 1926).
Verbunden mit Ganghofer macht das Label „Heimatfilm“ zwei klare Angebote. Du bekommst eine spannende Romanverfilmung – und die Schauwerte eines Dokumentarfilms! Der Roman ist von niemand geringerem als Ludwig Ganghofer. Das ist viel mehr als bloß ein Dokumentarfilm mit Spielhandlung.
Bei Ganghofers „Jäger von Fall“ handelt sich um eine Wilderer-Geschichte, mit der Ganghofer 1883 der Durchbruch als Schriftsteller gelingt. Der Erfolg verwundert nicht. Modei, alleinerziehende Sennerin auf der Alm, verliebt sich in den Jäger Ferdl. Der macht Jagd auf einen brutalen Wilderer, zufälligerweise Blasi, der Vater von Modeis unehelichem Kind. Eine Frau zwischen Liebe und Verzicht, zwei Männer im Duell. Und das alles in den Alpen. Was will man mehr?
In ihrer Presseankündigung hebt die Emelka allerdings den dokumentarischen Charakter des Films hervor: „Mit seiner eingehenden Kenntnis der bayerischen Landschaft, der Sitten und Gebräuche und mit dem Blick des gebürtigen Oberbayern für die grandiose Schönheit der Heimat erfüllte Regisseur Seitz alle Voraussetzungen, um den dramatischen Stoff zu einem wirklichen Heimatsfilm, zu einem der schönsten Alpenfilme zu gestalten“ (Münchner neueste Nachrichten, 4. Oktober 1926).
Genauso der Text der Kinowerbung ein paar Monate später. Klar, es ist die Romanvorlage von Ganghofer, die den Film so attraktiv macht. Was für unbändige Gestalten da kämpfen! „Jäger, Wildschützen, Schmuggler, hartköpfige Bauern sind die Akteure.“ „Der Film ist nach dem vielgelesenen Roman von Ludwig Ganghofer hergestellt.“ „Liebe, Eifersucht, Hochmut, Brutalität liegen im Kampfe gegeneinander.“
Die Hauptrolle spielen aber die Alpen: „Der Regisseur Franz Seitz schuf mit diesem Film etwas Großes. Er verwendete die gigantische Bergwelt nicht nur als Kulisse, sondern machte diese Natur zum Mitspieler“ (Viernheimer Anzeiger 26. März 1927).

Kinowerbung für den „Deutschen Heimatfilm“ „Der Jäger von Fall“ (1927)
Auch die Rezensenten der Münchner Uraufführung vom 14. Oktober 1926 loben, wie im „Jäger von Fall“„allerlei Volksgebräuche und ländliche Lebensbilder lebendig und illustrativ eingestreut“ sind, „der Almauftrieb, das Leben in der Sennhütte, die festfreudige Kirchweih, die reiche Bauernhochzeit“. Außerdem erfreuen sich sich an einer altbekannten Szene aus der Frühzeit des Genres, „wundervoll die nächtliche Floßfahrt der Schmuggler auf der ungebärdigen Isar“ (A.Z. und Münchner neueste Nachrichten, 16. Oktober 1926). Floßfahrten lassen sich offenbar effektvoll filmisch inszenieren.
Die Aufnahmen von Land und Leuten, kombiniert mit einer Spielfilmhandlung, machen aus dem „Jäger von Fall“ einen „Heimatfilm im engsten Sinn“. Das hat Potential über München hinaus:
München und seine Einwohner haben die Voraussetzungen für diesen Heimatfilm im engsten Sinn, aber auch anderswo sollte diese Jäger- und Liebes-Geschichte aufnahmefreudigen Boden finden, da es sich um Bilder von unbedingter Echtheit und um einen getreuen Ausschnitt aus jenem südbayerischen Leben handelt, das nur zu oft als billige Parodie auf Reisen geht.
Der Jäger von Fall. Uraufführung des neuen Emelka-Filmes in den Kammerlichtspielen (AZ am Abend, 16. Oktober 1926, S. 13).
1930 bringt die die Münchener Union-Film-Compagnie „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau“ in die Kinos, nach dem Theaterstück von Ludwig Ganghofer und Hans Neuert (Zensurentscheid 01.07.1930). Regie führt wieder Franz Seitz. In den Zeitungsanzeigen wird mit dem Label „Heimatfilm“ geworben: „Großer Heimatfilm aus dem bayrischen Hochgebirge u. dem weltbekannten Passions-Spielort“.

Der Film, so gewinnt man den Eindruck, handelt vor allem von Oberammergau, weniger von Ganghofers Figuren. Der Werbetext hebt jedenfalls die besonderen Fertigkeiten der Ortsansässigen, die abgelegene Lage und die traditionellen Passionsspiele hervor: „Seit 1634 ist Oberammergau die Stätte des berühmtesten aller volkstümlichen Passionsspiele, die alle zehn Jahre stattfinden“. „In den Zwischenjahren aber suchen viele Sommergäste das herrlich gelegene Gebirgsdorf auf, dessen Bewohner dann kunstvolle Schnitzereien und wertvolle Geigen bauen“. Wen interessiert da noch groß die Handlung?
Hier geht es um Schauwerte. Schnitzkunst, Geigenbau, Passionsspiele. Dazu passend: Auf der Besetzungsliste findet sich das bayrische Original Weiß Ferdl, ein Komiker und Alleinunterhalter.
Heimatfilm als Wundertüte: „Grün ist die Heide“
Die beiden Ganghofer-Filme „Der Jäger von Fall“ und „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau“ sind das direkte Vorbild „Grün ist die Heide“ des D.L.S.: Statt Ganghofer und den Alpen eben Löns und die Heide.
Der neue Film bietet die kunterbunte Wundertüte, für die das Label „Heimatfilm“ bereits steht:
- Es geht um eine touristisch interessante deutsche Ferienregion.
- Die Landschaft wird im Film ein eigener Akteur.
- Ein beliebter deutscher Schriftsteller liefert die Vorlage für eine Spielfilmhandlung.
- Es geht um verbotene Liebe und Männer in Duellsituationen.
- Für Zwischendurch: Ein Volksfest und lustige Komiker.
Und noch viel mehr:
- Ein populäres Lied gibt Thema und Stimmung vor. Jeder kennt es aus dem Rundfunk. In den Film sind noch weitere Gesangsnummern eingebaut.
- Der Film bringt zusammen, was das literarische Variéte „Hermann Löns und seiner Heide“ als vollumfängliches Unterhaltungsprogramm etabliert hat: Weihevolles Löns-Gedenken, gefühlvolle Lieder zu Laute, Dokumentaraufnahmen aus der Lüneburger Heide.
- Es geht gar nicht um die Texte des Schriftstellers Löns, sondern den Sound und die Stimmung, die mit seinem Namen verbunden sind: Liebe unter grünen Tannen, Männer im Selbstverteidigungsmodus, das leidende Schicksal des Dichters. Wandern in freier Natur, ein Lied auf den Lippen. „Löns“ eben, du weißt schon.
Das nennen wir „echter deutscher Heimatfilm“, auch wenn es gar nicht mehr so neu ist. Hauptsache, das kommt gut an an den Kinokassen.
Der Film „Grün ist die Heide“ macht das Genre „Heimatfilm“ endgültig salonfähig. Aus München hat es seit dem stumm gedrehten „Herrgottschnitzer“ von 1930 keine Ganghofer-Verfilmung mehr gegeben. Hier wird man erst nach dem Dreh von „Grün ist die Heide“ plötzlich wieder aktiv.
Die Tonfilm-Produktion Franz Seitz, die mit den Dreharbeiten für „Die blonde Christl“ am 8. Dezember 1932 beginnt, will den Kinos ganz offensichtlich einen „Heimatfilm“ wie „Grün ist die Heide“ anbieten. Wie beim unmittelbaren Vorbild „Grün ist die Heide“ sind auch in „Die blonde Christl“ mehrere Gesangsnummer eingeschaltet. Mit der Umbenennung von Ganghofers Textvorlage in „Die blonde Christl“ lehnen sich die Münchener an die Figur der Tierärztin Grete an, des blonden Mädchens aus „Grün ist die Heide“. Blond = deutsch, das haben wir auch im Angebot. Auch die schnelle Produktion spricht für eine Trittbrettfahrt. Der Film kommt schon am 10. Februar 1933 in die Kinos, vorher rührt die Hauptdarstellerin Karin Hardt noch schnell die Werbetrommel im Interview beim bayerischen Rundfunk.
Ironie am Rande: Eigentlich wollte Franz Seitz für das D.L.S. den Schwank „Das sündige Dorf“ von Max Neal verfilmen. So steht es zumindest in der Saisonvorschau vom August 1932. Seitz disponiert kurzfristig um, als sich der Erfolg des Heimatfilms „Grün ist die Heide“ abzeichnet. Statt der Verfilmung eines aktuellen Bühneschwanks gibt es lieber einen Ganghofer-Heimatfilm.
Entscheidend: Es ist „Grün ist die Heide“ von der D.L.S., nicht der Ganghofer-Film „Die blonde Christl“, der ein Genre endgültig festlegt, das viel später, in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre, die deutsche Kinolandschaft entscheidend prägt. Visionär.
Abbildungsverzeichnis
Szenenfotos aus dem Film. Eigenes Archiv.
Filmanzeige „Der Jäger von Fall“. Viernheimer Anzeiger, 26. März 1927, S. 1 (Ausschnitt). Public Domain. Link zum Deutschen Zeitungsportal.
Filmanzeige „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau“. Stuttgarter neues Tagblatt Freitag 25. Juli 1930, S. 4 (Ausschnitt). Public Domain. Link zum Deutschen Zeitungsportal.
Verwendete Literatur
Recherche zur Begriffsgeschichte „Heimatfilm“ im Deutschen Zeitungsportal und in den Digitalen Sammlungen München, durchgeführt am 15.11.2024.
- Bergedorfer Zeitung 27. August 1918, S. 3: Filmkultur in Mecklenburg.
- Münchner Neueste Nachrichten 30. November 1920, S. 3: Ein Film von der Isar.
- Harburger Tageblatt 16.12.24, S. 5: Schleswig-Holstein meerumschlungen.
- Bergedorfer Zeitung 07.Februar 1925 S. 2: Kinoanzeige „Harzer Heimat-Filme.“
- Münsterischer Anzeiger, 3. Juli 1925, S. 5: Ein westfälischer Heimatfilm.
- Wilhelmsburger Zeitung 26. Februar 2026, S. 5: Kinoanzeige „Die eiserne Braut.“
- Westfälische Zeitung 3. März 1926, S. 12: Kinoanzeige „Deutsche Heimat-Filme“.
- Ratinger Zeitung 20. Mai 1926, S. 2: Grüß mir das blonde Kind vom Rhein.
- Münchner neueste Nachrichten, 4. Oktober 1926, S. 13: Die Herbstproduktion der Emelka.
- A.Z. am Abend 16. Oktober 1926, S. 13. Der Jäger von Fall. Uraufführung des neuen Emelka-Filmes in den Kammerlichtspielen.
- Münchner neueste Nachrichten 16. Oktober 1926, S. 4: Der Jäger von Fall.
- Münchner neueste Nachrichten, 9. November 1926, S. 6: Ein bayerischer Heimatfilm. Vom Mittenwalder Geigenbau.
- Viernheimer Anzeiger, 26. März 1927, S. 1: Filmanzeige „Der Jäger von Fall“.
- Stadtanzeiger für Castrop-Rauxel, 10. Dezember 1927, S. 21: Eduard Scharrer, Die Filmstadt München.
- Stuttgarter neues Tageblatt 29. Juli 1930, S. 4: Kinowerbung für „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau.“
- Schwerter Zeitung 6. Januar 1933, S. 11: „Ganghofer als Filmautor“ (Hinweis auf Interview mit Karin Hardt im Rundfunk).
Höfig, Willy: Der deutsche Heimatfilm 1947-1960, Stuttgart 1973, S. 143.
Die gesamte aktuelle filmwissenschaftliche Literatur legt für ihre Auseinandersetzung mit dem Genre „Heimatfilm“ weitgehend kritiklos die Ergebnisse aus Willy Höfigs Studie aus dem Jahre 1973 zugrunde.
Höfig bezieht sich für seine Begriffsgeschichte des Heimatfilms auf die ältere Darstellung von Walter Freisburger (Theater im Film. Eine Untersuchung über die Grundzüge und Wandlungen in den Beziehungen zwischen Theater und Film, Emsdetten 1936, S. 25 und S. 60-65). Diese Begriffsgeschichte ist nicht korrekt.
1. Höfig verknüpft die Entstehung des Genres „Heimatfilm“ zwar mit den Ganghofer-Verfilmungen von Peter Ostermayr, übersieht aber die vorausgegangene Verwendung des Begriffs für einen Dokumentarfilm mit Spielfilmhandlung.
2. Für die Behauptung, dass der Begriff „Heimatfilm“ schon während des ersten Weltkriegs für Ganghofer-Verfilmungen verwendet wird, findet sich kein Beleg, weder im Deutschen Zeitungsportal, noch in den Digitalen Sammlungen München, noch in den im Internet Archive im Volltext recherchierbaren Ausgaben der Fachblätter „Lichtbild-Bühne“ und „Der Kinematograph“. Dies gilt für beide in Frage kommenden Filme „Auf der Höhe“ von 1916 und „Der Jäger von Fall“ von 1918.
3. Schließlich bezeichnet Höfig die Ganghofer-Verfilmung „Die blonde Christl“ von 1933 als den ersten Film nach 1918, für den der Begriff „Heimatfilm“ belegt ist. Er übergeht nicht nur die beiden vorangegangenen Ganghofer-Verfilmungen, die in der Werbung ausdrücklich als „Heimatfilm“ bezeichnet werden, nämlich „Der Jäger von Fall“ von 1926 und „Der Herrgottschnitzer von Oberammergau“ von 1930. Vor allem verkennt er die Schlüsselstellung von „Grün ist die Heide“ von 1932. Denn „Die Blonde Christl“ wird erst als Reaktion auf „Grün ist die Heide“ gefilmt.
Bayan, Oliver: Der Geigenmacher von Mittenwald. Beide Filmversionen 1933/1950. Das Booklet zu beiden Kinofilmen. Walluf: Filmverlag Filmjuwelen 2016.