Ernst v. Wolzogens „buntes Theater“
Unterhaltung für das 20. Jahrhundert

Inhalt
- Gesungener „Simplicissimus“
- Die Zickel-Connection
- Der rasende Jüngling
- Die geheimnisvolle Premiere
- Der exklusive Preview
- Die erfundene origin story
Gesungener „Simplicissimus“


Wie entscheidend die Nachmittagsmatinée der Roulotte auf der Bühne des Belle-Alliance-Theater am 21. Oktober 1899 für Ernst v. Wolzogen ist, kann man kaum überschätzen. Vorher war Wolzogen ein gescheiterter Dramaturg, weiter denn je entfernt von seinem Traum, Theaterintendant zu werden. Die Show der Roulotte verschafft ihm eine neue, ungeahnte und vor allem realistische Perspektive.
Plötzlich passt alles zusammen.
Wolzogen ist nicht freiwillig in Berlin. Er braucht dringend den Erfolg – und Geld, um die Schulden aus seinem Misserfolg in München zu bezahlen. Vor zwei Jahren schien dort sein Traum zum Greifen nah.
Zu diesem Zeitpunkt beteiligt sich Wolzogen an der Gründung einer „Litterarischen Gesellschaft“, die am 4. November 1897 mit dem angesehenen Bestseller-Autor Ludwig Ganghofer als Vorsitzenden startet. Unter ihrem Dach wird Wolzogen Spielleiter einer „freien Bühne“, die Gastspiele in anderen Theatern ausrichtet. Er will sich als Regisseur für moderne Theaterstücke profilieren.
Wolzogens eigenwillige Interpretation des Shakespeare-Stück „Troilus und Cressida“, am 18. April 1898 auf der Bühne des Theaters am Gärtnerplatz inszeniert, gerät zum Fiasko. Der Versuch, das Drama wie zu Shakespeares Zeiten aufzuführen, mit kostümierten Zuschauern auf der Bühne und Männern in Frauenrollen, überfordert das Münchner Publikum. Das Stück wirkt burlesk und unfreiwillig komisch. Ganghofer und sein Vorstand drängen Wolzogen aus dem Amt. Dieser verabschiedet sich mit einer „Gardinenpredigt“ vor der zweiten und letzten Vorstellung am 19. April. Die Presse habe ihn absichtlich missverstanden und seine Interpretation gezielt schlecht beurteilt.
Neue Ideen müssen her.
Idee Nr. 1: Wolzogen schreibt für das Münchener Satiremagazin „Simplicissimus“ zwei Gedichte, die um die Jahreswende 1898/1899 erscheinen. Die Kritik fand sein Theaterstück burlesk? Gut, dann bekommt sie jetzt etwas wirklich Burleskes. Gedichte, satirisch überzeichnet, arrogant und gehässig. Illustriert von den Grafikern des „Simplicissimus“. Beide Gedichte tragen die Gattungsbezeichnung „Brettlsang“, Dichtung fürs Variété.
Das Gedicht „Laufmädel“ beschreibt mitfühlend und hämisch zugleich ein übereifriges junges Dienstmädchen, das die ganze Zeit zu Fuß Aufträge für ihre Herrschaft erledigen muss. Ihre Gesundheit leidet, zur Ablenkung träumt sie von einem Märchenprinzen, der sie erlöst. Tapfer bekämpft sie jedes Anzeichen von Schwäche und verschleppt eine Erkältung. Schließlich erwartet sie der frühe Tod.
„A fescher Domino“, pünktlich zur Karnevalsausgabe, erzählt aus der Ich-Perspektive einer desillusionierten Karnevalistin. Die Maske bringt ihre wirklichen Gefühle zum Vorschein. Sie wirft sich dem erstbesten Tänzer an den Hals und lässt in breitem Dialekt ihrer Lebenslust freien Lauf. Wolzogen schildert die Stimmung des Mädchens einfühlsam und lebendig, um sie am Ende der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Darstellung bleibt distanziert, er lässt besinnungsloses Vergnügen für sich sprechen.
Idee Nr. 2: Mit Romanen hatte Wolzogen schon vorher Erfolg. Also verfasst er „Das dritte Geschlecht“, einen Schlüsselroman, in dem er Münchener Frauenrechtlerinnen darstellt. Sie wenden sich gegen die traditionelle Rolle als Ehefrau und Mutter, tragen bequeme Reformkleider und sind selbst berufstätig. So etwas lässt sich deutschlandweit an Leserinnen verkaufen. Der Titel kommt, ansprechend illustriert, im Juni 1899 in die Läden.
Idee Nr. 3: Im Frühjahr 1899 reist Wolzogen nach Berlin, um mit dem Schriftsteller Hans Olden ein Theaterstück zu verfassen: „Das Gastspiel“, für eine Aufführung am Deutschen Theater. Vielleicht wird das ja der ersehnte Durchbruch am Theater.
Für Wolzogen steht also eine Menge auf dem Spiel, als er sich am 21. Oktober unter die Berliner Theaterleute und Journalisten mischt, die die Roulotte begutachten. Gestern, am 20. Oktober, hatte ein älteres Drama von ihm Premiere: „Ein unbeschriebenes Blatt“ im Neuen Theater am Schiffbauerdamm. Am 4. November startet „Das Gastspiel“ im Deutschen Theater.
Die Spannung steigt. Immer gut, wenn man da mitbekommt, was die anderen machen und wie gerade die Stimmung ist.
„Das Gastspiel“ wird nach zwei Vorstellungen abgesetzt. Nur das „unbeschriebene Blatt“ kommt an. Und das dank flacher Äußerlichkeiten: „Es ist schade um Ernst v. Wolzogen, daß er mit seinem großen Können und seinem echten, lebensvollen Humor sich neuerdings immer mehr zu Äußerlichkeiten verflacht und nicht mehr in die Tiefen hinabsteigt, in denen die echte Poesie schlummert.“ So meldet Max Schoenau am 14. November 1899 für die Münchner neuesten Nachrichten. Im gleichen Artikel berichtet er zustimmend über den phänomenalen Auftritt der Roulotte. Versteh einer die Kritiker!
Brettlsang. Satire im Simplicissimus. Das Burleske. Oberfläche und Äußerlichkeiten. Gardinenpredigt von der Bühne herab. Moment mal. Was, wenn das angebliche Problem eigentlich die Lösung ist? Bei der Roulotte jedenfalls passt all das zusammen und macht den Zuschauern sogar Spaß! Und ist die Roulotte nicht so etwas wie ein gesungener „Simplicissimus“? Lassen wir die echte Poesie ruhig schlummern. Bewahren wir uns den Humor.
Die Zickel-Connection

Glücklicherweise ist Wolzogen in Austausch mit anderen Berliner Theatermachern. Für ihn der wichtigste: Dr. Martin Zickel, ein theaterbegeisterter junger Germanist, den alle schon mit akademischem Titel anreden, obwohl er seine Dissertation noch am 1. März 1900 verteidigen muss, um ihn wirklich tragen zu können.
Wie Wolzogen träumt Zickel davon, Intendant eines eigenen Theaters zu werden. Trotz des Altersunterschieds verstehen sich die beiden gut. Zickel, am 7. Dezember 1876 geboren, kommt wie Wolzogen aus Breslau. Zickels Vater, ein Kaufmann, stirbt früh. Seine Dissertation widmet er seinem Onkel Salomon, der in New York deutsche Auswanderer mit Büchern und Zeitschriften aus der Heimat versorgt.
Wie Wolzogen will Zickel modernes Theater machen, abseits der großen Häuser, auf eigene Rechnung. Die beiden sind sich einig: Die Roulotte ist der Schlüssel dazu!
Im Gegensatz zu Wolzogen verfügt Zickel über die nötigen Ortskenntnisse und hat beste Verbindungen zur Berliner Theaterszene. Der ehrgeizige Zickel ist künstlerischer Leiter beim akademisch-literarischen Verein der Universität und führt bei zwei Aufführungen im Rahmen der Goethefeier am 18. und 19. November Regie. Sein Organisationstalent hat er zuletzt Anfang September bewiesen, als er für seinen Verein das königliche Operntheater als Spielstätte und das Thalia-Theater für die Proben sicherte.
Außerdem ist Zickel Mitglied in der Künstlervereinigung „Brille“. Außer jungen Schauspielern von den Berliner Bühnen gehören auch Journalisten dazu, die im informellen Kreis neue Theaterideen ausprobieren.
Kaum vier Wochen nach der ersten Matinéevorstellung der Roulotte gehen Zickel und Wolzogen mit ihren Plänen an die Presse. Ihre deutsche Variante, „literarisches Variété“ genannt, wird unter dem Dach von Zickels wichtigstem Projekt starten, der „Sezessionsbühne“.
Rechtzeitig vor der Goethefeier lanciert Zickel eine Meldung im Berliner Tageblatt vom 17. November, die es offiziell macht: „Unter dem Namen „Sezessionsbühne“ hat sich in Berlin eine Vereinigung gebildet, die es sich zur Aufgabe setzt, einige Stücke zur Darstellung zu bringen, denen ihre Eigenart den Zutritt zu den Berliner Bühnen verwehrt.“
Der Name „Sezessionsbühne“ ist nicht zufällig gewählt. Zickel spielt an auf die im Moment wichtigste Strömung in der Bildenden Kunst.
In Berlin hat eine Künstlergruppe gerade offiziell eine eigene Secession gegründet. Sie stellt sich damit in eine Reihe mit der Münchener und Wiener Secession, die seit vielen Jahren für Aufsehen sorgen. Beide Gruppierungen setzen sich für moderne Kunst ein und streben eine Öffnung der akademischen Kunst für Dekoration, Design und das Kunsthandwerk an. Angefangen hat es 1892 in München, wo sich eine Gruppe junger Künstler von der bisherigen Künstlervereinigung abspaltet und eine neue, moderne Gruppe bildet. Nach ihrem Modell formiert sich 1897 die Wiener Secession, die ein Jahr später ein großes, eigenes Ausstellungshaus eröffnet. Das Gebäude wird vom Designer und Architekten Joseph Maria Olbricht im Jugendstil entworfen.

Nach dem Wiener Vorbild präsentiert sich die Berliner Secession seit dem 19. Mai 1899 in einem eilig hergerichteten, eigenen Ausstellungsgebäude in Charlottenburg. Es gibt kunstgewerbliche Kabinette, die moderne Möbel vor gestickter Wandbekleidung zeigen, und einen Illustratorensaal, in dem man Zeichnungen an den Wänden studieren oder bequem vom Sessel aus in ausliegenden Büchern durchblättern kann. Kontroverse Bilder, wie Max Slevogts Triptychon „Der verlorene Sohn“, das wegen seiner drastischen Gegenüberstellung von Luxus und Elend zum Ausstellungsbeginn für einen Skandal sorgt, erscheinen da fast als Nebensache.
Zickel findet: Diese Moderne, die sich für lebensnahes Kunsthandwerk einsetzt, gehört endlich auf die Bühne. Als „Freie Bühne“ wollen Zickel und sein Kompagnon, der Schauspieler Paul Martin zwei Matinéevorstellungen moderner Stücke im Neuen Theater ausrichten. Und noch etwas: „Im Februar wird der Versuch gemacht werden, Anregungen zu einem literarischen Variété in einer Matinee zu vereinigen.“ Dem Berliner Tageblatt ist das zu vage. Man erklärt: „Soll wohl bedeuten, nach Art der „Roulotte“ künstlerische Darbietungen leichterer Art zu bringen.“
In den kommenden Wochen versuchen Wolzogen und Zickel, nach französischem Muster Schriftsteller zu gewinnen, die Gedichte für die Vertonung hergeben könnten. Das bleibt mehr oder weniger erfolglos, der Münchener Schriftsteller Frank Wedekind etwa winkt mit Brief vom 28. Dezember ab, als Zickel bei ihm anfragt.
Die Theaterstücke, die Zickel als Oberregisseur inszeniert, kommen dagegen hervorragend an. Schon die erste Matinée der Sezessionsbühne am 10. Dezember erhält gute Kritiken. Angebote für eine Tournee trudeln ein. Dann geht alles ganz schnell. Anfang Januar, pünktlich zur zweiten Matinée am 21. Januar, kann Zickel ankündigen, dass die „Sezessionsbühne“ zu Beginn der nächsten Saison, im Herbst 1900, als stehendes Theater im ehemaligen Alexanderplatz-Theater aufspielen wird. Finanzier im Hintergrund: Der Operntenor Viktor Bausenwein, der das Theater für vier Jahre gepachtet hat und die ehemalige Vaudeville-Bühne für einen zeitgemäßen Spielbetrieb umbaut.
Für Zickel hat sich der Probelauf als „freie Bühne“ schon gelohnt, ab der nächsten Saison ist er Oberregisseur im eigenen Haus. Das wird ein fulltime job. Wolzogen muss das literarische Variété von jetzt an allein verwirklichen.
Der rasende Jüngling

Als Büro nutzt Ernst v. Wolzogen das Cafe des Westens am Kurfürstendamm, den neuen Treffpunkt der Berliner Bohème. Seit Eröffnung im Jahre 1898 dient das Café als Aufenthaltsort und Treffpunkt für junge Theaterbegeisterte. Die Künstlergruppe „Brille“ ist ständig zu Gast. Wolzogen hat es nicht weit, seit seiner Ankunft aus München im Frühjahr 1899 bewohnt er ein paar Häuser ein schlichtes Hinterhauszimmer. Es ist seine Zweitwohnung, Frau und Kind sind in München geblieben.
Wolzogen muss sein literarisches Variété im Frühling 1900 auf drei Ebenen vorantreiben. Er fragt bei modernen Lyrikern an, ob sie ihm Gedichte für sein „Buntes Theater“ überlassen. Außerdem sieht er sich nach einem Ensemble um, mit dem er auf die Bühne gehen kann. Neben den Schauspielern, die die Lieder in Kostümen vortragen können, braucht er einen Kapellmeister am Klavier, der die Stücke vertont und auf der Bühne begleitet. Aber das kann warten. Viel wichtiger: Er muss einen geeigneten Raum finden – und Geldgeber, die das Unternehmen finanzieren. Das wird schwierig.
Wolzogen will unbedingt an die Friedrichsstraße, die Vergnügungsmeile der Stadt. Hier bieten der „Wintergarten“ am Bahnhof Friedrichstraße und das „Apollo“ weiter südlich ein attraktives und immer gut besuchtes Variétéprogramm. Genau die Umgebung, in die man mit einem „bunten Theater“ etwas literarischen Anspruch bringen kann.
Leichte Unterhaltung steht hoch im Kurs. In einer statischen Erhebung, die der Schauspieler Berthold Held für die Saison 1898/1899 über die beliebtesten Werke an deutschen Bühnen angestellt hat, steht der Schwank „Im weißen Rössl“ von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg mit 1692 Aufführungen weit vorne auf der Liste. Die Autoren sind dank ihrer vielen weiteren Bühnenschwänke die beiden erfolgreichsten Theaterschriftsteller überhaupt, Blumenthal der „König der Tantiemen“. Mit solchen Argumenten dürften sich Geldgeber finden lassen.
Für einen gelungenen Start in die Saison 1900/1901 muss man im Juni klar haben, wie es laufen wird. Mit der Notiz in der Morgenausgabe des „Berliner Tageblatts“, die am Freitag 31. Mai 1900 Wolzogens „Roulotte der Modernen“ zum ersten Mal ankündigt, will er die laufenden Verhandlungen in seinem Sinne lenken.
Der „Hannoversche Kurier“ weiß mehr. Das liegt am Berliner Theaterjournalisten John Schikowski, der regelmäßig nach Niedersachsen das Neuste aus der Hauptstadt meldet. So haben die Hannoveraner schon in der Abendausgabe vom Donnerstag 30. Mai erfahren, was das „Berliner Tageblatt“ einen Tag später von Schikowski abschreibt.
Der Kaiserkeller in der Friedrichstraße ist das Lokal in bester Lage, das Wolzogen mit einem „Buntem Theater zum rasenden Jüngling“ im Herbst beziehen wird! „Zum rasenden Jüngling“, das klingt wie der Name eines staubigen Landgasthofs mit Bühnensaal, nur ironisch verzerrt. Hohe Eintrittspreise machen klar, welches Publikum dort einkehren soll: Reiche Leute, die sich spät abends in exklusivem Ambiente modern amüsieren wollen. Variété oder Theater? Beides!
Ein litterarisches Variété in Berlin. Der schon öfters aufgetauchte Plan der Gründung eines litterarischen Tingeltangels – etwa nach Muster des verflossenen Pariser „chat noir“ — hat jetzt Aussicht auf Verwirklichung. Unter dem Namen „Buntes Theater zum rasenden Jüngling“ wird sich mit Beginn der nächsten Saison in den Räumen des Kaiserkellers in der Friedrichstraße ein Variete aufthun, dessen Organisator und geistiger Leiter Ernst v. Wolzogen ist. Ihm zur Seite steht als artistischer Beirath der Schriftsteller und Dramaturg Dr. Walter Harlan. Der für die Aufführungen eingerichtete Saal soll außer der kleinen Bühne nicht mehr als 300 Zuschauerplätze enthalten und das Entree verhältnißmäßig hoch sein: kein Platz unter 3 M. Beginn der Vorstellungen ist auf eine spätere Abendstunde festgesetzt, als es bei den Berliner Theatern bisher üblich war, nämlich auf ½10 Uhr.
Wolzogen hat ein Publikum im Visier, das sich modern amüsieren will. Leute, die das Geld haben, aber denen Oper und Theater zu anstrengend sind. Leute, die unterhalten werden wollen, sich jedoch nicht mit den derben Krachern des herkömmlichen Variétés zufriedengeben.
Im Gegensatz zu der primitiven Einrichtung des chat noir, wo man bekanntlich auf schlichten Holzbänken Platz nahm, wird die Sitzgelegenheit in bequemen Fauteils bestehen, von denen einzelne besonders bevorzugte die Namen von modernen Dichtern oder litterarischen Persönlichkeiten, die sich um das neue Unternehmen verdient gemacht haben, führen werden. Außer dem Vortrage von kleinen Liedern und Couplets sollen Dramoletts, Pantomimen, Marionettenspiele etc. zur Aufführung kommen. Die Zote ist prinzipiell ausgeschlossen, und der litterarische Charakter des Unternehmens wird in der Zusammenstellung des Programms und in der Art der Darstellung streng gewahrt bleiben.
Luxus in der Ausstattung wird mit leichtem Programm auf der Bühne kombiniert. Gepflegt, in bequemen Sesseln, die die Namen von Dichtern tragen. Gut zu wissen: Die Grenzen des Schicklichen bleiben gewahrt. Auch wenn es gewagt oder gar frivol wird: Hier sind Künstler am Werk. Bloß keine Zoten reißen!
Schikowski schließt optimistisch:
Die nothwendige finanzielle Grundlage für die Realisirung des Wolzogenschen Projektes ist bereits geschaffen, und so wird Berlin voraussichtlich in der nächsten Saison um eine originelle weltstädtische Sehenswürdigkeit reicher sein.
Der Optimismus hält nur bis Montag 3. Juni. Der „Hannoversche Kurier“ muss in seiner Morgenausgabe eine Richtigstellung drucken. Wolzogens Partner und Geldgeber sind in letzter Minute abgesprungen: „Der Eigenthümer des Kaiserkellers in Berlin“ lässt erklären, dass „der Kaiserkeller jedenfalls als Ort der Bethätigung dieser neuesten literarischen Bestrebung im Sinne des gedachten Unternehmens ausgeschlossen“ sei. Verhandlungen habe es zwar gegeben, seien aber „schon vor mehreren Tagen ohne Resultat zu Ende gegangen“. Wolzogen, so wird deutlich, hat mit der verfrühten Pressemeldung Fakten schaffen wollen. Vergeblich.
Die Zeit drängt. Bis Ende Juni muss ein Lokal her, wenn Wolzogen noch in der kommenden Saison dabei sein will. Schnell organisiert er neue Finanziers und, entscheidend, ein neues Lokal. Das Foyer des Hotel Imperial, Unter den Linden 44, an der Kreuzung zur Friedrichstraße, könnte man zu einem Theatersaal umbauen. Das wäre doch was.
Wolzogen benennt sein Projekt um. Ein unverwechselbarer Markenname muss her. Der „rasende Jüngling“ als Name für eine seltsame Gaststätte bleibt. Die Bühne wird ein „Ueberbrett’l“.
„Ueberbrett’l“, nur richtig mit Apostroph und Ue, ist so schwierig zu schreiben, dass es jedem im Gedächtnis bleibt. Die Vorsilbe „Über-“ könnte eine Anspielung auf Nietzsches Übermenschen sein. Das wäre sehr modern. Wahrscheinlicher ist, dass Wolzogen sie wie „mega“, giga“ oder „ultimate“ verwendet und uns besonders gute Unterhaltung verspricht. Auf den Sound kommt es an. Auch Dialektwort „Brettl“ umkreist ironisch, worum es geht. Eine Hintertreppenbühne mit altmodischem, zweitklassigem Programm hat Wolzogen jedenfalls nicht wirklich vor.
Am 28. Juni kündigt die Presse wieder einen unmittelbar bevorstehenden Vertragsabschluss an. Auch erste Namen von beteiligten Dichtern werden kolportiert. Aber wieder ist die Sache nicht so eindeutig, wie Wolzogen glauben machen will.
Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling soll nach den jüngsten Beschlüssen das von Ernst von Wolzogen geplante literarische Variété in Berlin genannt werden. Über die Finanzirung des Unternehmens, welches am 1. Oktober d. J. eröffnet werden soll, wird in den nächsten Tagen in einer Versammlung der Interessenten endgiltig beschlossen werden. Die Lokalfrage beschränkt sich auf die Friedrichstadt, wo allerdings das in Aussicht genommene Lokal für die Zwecke des Unternehmens ausgebaut werden muß. Falls die Arbeiten bis zum 1. Oktober nicht fertig gestellt sein sollten, würde die Eröffnung in einem Interimslokal stattfinden.
Ein paar Tage später gibt die „Berliner Börsen-Zeitung“ das Scheitern bekannt. Wolzogens Finanzier will weitreichende Kontrolle über das Programm, Wolzogen selbst Entscheidungsfreiheit. So wird das nichts. „Herr v. Wolzogen, welcher augenblicklich auf Reisen ist, wird im Herbst noch einmal versuchen, geeignete Interessenten heranzuziehen.“ Erstmal Ferien.
Ende Mai 1900, parallel zu den ersten Pressemeldungen, hatte Wolzogen einen neuen „Brettlsang“ im „Simplicissimus“ veröffentlicht: „Madame Adèle“. Wie schon beim „feschen Domino“ und dem „Laufmädel“ schreibt er aus einer Ich-Perspektive, diesmal der einer Tänzerin und Prostituierten. Ihre illusionslose Sicht auf ein Leben, das sich in Konsum und Luxus erschöpft, den ihr reiche Männer bieten und den sie so lang wie möglich nutzen will, ruft Abscheu und Mitgefühl zugleich auf. Wieder kultiviert Wolzogen die ironische Distanz als überlegene Haltung eines Außenstehenden, der fasziniert und angeekelt zugleich auf etwas starrt, was er nicht sein will: Was ein Glück, das ich nicht so bin. Aber trotzdem faszinierend.
Mit „Madame Adèle“ markiert Wolzogen sein Terrain: Das literarische Variété, der gesungene „Simplicissimus“ kommt. Ausladend, exaltiert, bissig-ironisch. Arrogant, von oben herab.
Die geheimnisvolle Premiere

Der Plan, sich mit einem exklusiven Variété in der Friedrichsstraße anzusiedeln, ist gescheitert. So viel steht nach der Sommerpause fest. Jetzt nimmt Wolzogen den umgekehrten Weg, nach dem vertrauten Modell der „freien Bühne“, Zickel hat es in der letzten Saison vorgemacht. Wolzogen beginnt mit einem Gastspiel in einem Berliner Theater, sucht sich also ein „Interimslokal“. Anschließend geht es auf Tour. Möglichst mondäne Ziele, dort, wo Wolzogens Publikum residiert: Großstädte, Treffpunkte der Reichen und Schönen. Dann, zur nächsten Saison, ein festes Theater in Berlin.
Auch die Pressearbeit wird umgestellt. Als erstes erfahren wir vom Schlusspunkt. Im nächsten Sommer, so das Berliner Tageblatt vom 20. September 1900, gibt es ein vornehmes Gastspiel in der Darmstädter Künstlerkolonie, die gerade im Jugend- und Secessionsstil entsteht. Nur angedeutet wird eine vorgelagerte Tour, mit der Wolzogen die Marke „Überbrettl“ überall bekannt machen will:
Dank der Unterstützung einiger Finanzkräfte wird die Fin de Siècle-Bühne nunmehr in Darmstadt erstehen, das in seiner jungen, frisch aufstrebenden Künstlergemeinde einen ensprechenden Resonanzboden für den dankenswerthen Versuch bietet. Das Theater, mit dessen Bau demnächst begonnen wird, erhält eine transportable Bühneneinrichtung, um sie für die vom Freiherrn v, Wolzogen geplante Tournee benutzen zu können. Das Ueberbrett’l gedenkt, schon im April, spätestens im Mai nächsten Jahres die Vorstellungen zu beginnen und nach einer kurzen Saison in Darmstadt nach Berlin zu übersiedeln.
Der Start, die Eröffnung im Berliner Interimslokal, bleibt erstmal geheim. So wird die Erwartung maximal gesteigert. Ist es dann so weit, haben wir die Aufmerksamkeit sicher. In der Zwischenzeit kann man träumen und denken an „Vorführungen im Stil der Roulotte, an einen gesungenen „Simplizissimus“, an eine Stätte übermüthiger Satire, wo sich der Humor und die Laune unserer Dichter richtig austoben“ können. So geht Marketing.
Was Rang und Namen hat, blickt gerade nach Darmstadt. Dort hat Großherzog Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt gerade eine Künstlerkolonie einberufen, deren Mitglieder auf der Mathildenhöhe Häuser und Künstlerateliers im Jugendstil errichten und beziehen sollen. Er erhofft sich Impulse für Handwerk und Wirtschaft seines Landes. Erste Ergebnisse sollen von Mai bis Oktober 1901 auf einer Ausstellung präsentiert werden. Zu den geplanten Bauten gehört ein „Spielhaus“, errichtet als Pop-up-Bühne aus Holz für Aufführungen in den Sommermonaten. Der einzige richtige Architekt unter den Künstlern, die Ernst Ludwig nach Darmstadt einlädt, ist Joseph Maria Olbrich, der sich mit dem Wiener Secessionsgebäude einen Namen gemacht hat und auf der Mathildenhöhe wohnen wird. Wolzogen erhofft sich offenbar, so etwas wie der Intendant des Spielhauses zu werden, mit Olbrich als Baumeister im Hintergrund. Vielleicht will er aber auch nur den Eindruck erwecken.
Ende Oktober 1900, als Wolzogen mit einem ausführlichen Interview die nächste Stufe seiner Pressekampagne eröffnet, ist das Darmstädter „Spielhaus“ bloß ein Projekt am Rande. Endlich erfahren wir mehr über Ziele und Programm des „Überbrettls“.
Das Interview führt der Berliner Lokaljournalist Oscar Geller, der lose mit dem Künstlerkollektiv „Brille“ verbunden ist. Er verkauft das Gespräch gleich zweimal, einmal als Interview nach Hannover, einmal als Report nach Wien. Dass Wolzogen Geller durch Vermittlung Zickels und aus dem Szenetreff im Cafe des Westens kennt, erfahren die Leser nicht. Erst recht nicht, dass Geller selbst auf Wolzogens Bühne stehen wird.
Dass das Variété so fasziniert, erklärt Geller mit der „Hast und Nervosität unserer Zeit. Vielbändige Romane, langathmige Epopöen, fünfactige Trauerspiele finden kaum noch ein Publicum.“ Die Leute wollen Abwechslung und Zerstreuung, immer wieder etwas Neues.
Die Varieté-Bühne, so wie wir sie haben, erfüllt nun diese modernen Anforderungen, wenigstens für den Geschmack der großen Menge, man kann wol sagen in vollendeter Weise. Akrobaten, Equilibristen, Taschenspieler, Bauchredner, Thierdresseure, Tänzer und Tänzerinnen können sich auf dem hauptstädtischen Brettln überhaupt nicht sehen lassen, wenn sie nichts Vollkommenes leisten, und Staunen erweckt nur noch das ganz Unerhörte auf diesem Gebiete.
Das kann nicht alles sein. Kultivierte Menschen, die auf sich halten, wollen mehr.
Die Freude an körperlicher Schönheit, Kraft und Geschicklichkeit findet also ihre volle Befriedigung durch unsere Specialitäten-Theater, wogegen dessen Leistungen Alles zu wünschen übrig lassen, sobald sie sich an den Geist wenden. Das Repertoire der Chansonnetten und Salonhumoristiker, die Pantomimem der Excentrics stehen auf einem erschrecken tiefen Geschmacksniveau.
Für sein anspruchsvolles Publikum, die Reichen und Schönen der Hauptstadt,
sinnt Herr v. Wolzogen darauf, die Ausstattung der Bühne wie des Zuschauerraumes, die Sitze wie auch die Art der Verpflegung während der Vorstellungen mit allen Mitteln modernster decorativer Kunst auf den Geschmack eines verwöhnten Publicums zu stimmen.
Nichts zeigt das laut Geller besser, als die angedachte Zusammenarbeit mit der Darmstädter Künstlerkolonie: „Meister Olbrich wollte eine Bühne von absoluter Neuheit errichten und die gesammte Ausstattung mit den übrigen hervorragenden Meistern der dortigen Künstlercolonie übernehmen.“ Wieder kommen die Finanzen in die Quere: „Ein Plan, der leider an der Unannehmbarkeit der materiellen Bedingungen gescheitert ist“. Egal. Die werbewirksame Geschichte kann man trotzdem erzählen.
Mittlerweile hat Wolzogen weitere Dichter auf seiner Seite. Insbesondere stellt Otto Julius Bierbaum seine Gedichte zur Verfügung. Christian Morgenstern hat Parodien zugesagt. Es gibt Komponisten, die Vertonungen der Lyrik übernehmen. Und das ist erst der Anfang. Wolzogen „will der deutschen Bohème einen Mittelpunkt schaffen“, einen „Paukboden“ legen, „auf dem die jungen Brauseköpfe ihre Sträuße mit den älteren Kunstgenossen ausfechten“! Etwas für „rasende Jünglinge“ eben.
Das geplante Programm liest sich wie eine Kopie der Roulotte, erweitert um das Schattenspiel, für das der chat noir berühmt ist – und um diffuse neue Ideen. Wolzogen reiht buzzwords aneinander: Couplet, Revue, lebendiges Witzblatt, chanson animée. Man könnte auch „Schlager“ sagen. Gemeint ist immer dasselbe: vertonte moderne Lyrik, mit satirischem Unterton. Bis Geller nachfragen muss:
Alle Arten der stilisirten, modernen Kunst werden zu Worte kommen, sowohl der Einzelvortrag wie das Schattenspiel, die Pantomime und die Revue. Unter Einzelvortrag verstehe ich in erster Reihe das Couplet, sowohl das harmlose Couplet, wie etwa das „politische“, das aber streng über den Parteien wird stehen müssen und einen überlegenen Ton anschlagen. Die „Revue“ wird sich etwa wie ein lebendig gewordenes Witzblatt präsentiren, — nebenher auch noch das „Belebte Lied“ (chanson animée) und meine Neuschöpfung „Der Farbentonrausch“.
„Farben-Ton-Rausch,“ buchstabirte ich.
Ganz richtig; Farben, Musik, Licht, Schönheit, Grazie—alles in eins gefaßt! Warten Sie es nur ab.
Da kann man lange warten. Der Farbentonrausch wird genauso wenig verwirklicht wie die „Wandeldekoration“, für die Wolzogen eine Art Diaprojektion, das Szioptikon, vorsieht:
[I]ch werde mit Hilfe des Szioptikons szenische Effekte zu erzielen suchen, die bisher auf dem Theater noch nicht versucht worden sind, da das Szioptikon mich in die Lage versetzt, ungeheuer rasch jeden möglichen Szenenwechsel herbeizuführen.
Ähnlich fantastisch entwirft Wolzogen die Ausstattung eines echten festen Theaters. Der „Simplicissimus“ wird nicht nur als „lebendiges Witzblatt“ auf der Bühne gesungen. Er hängt auch an den Wänden. Jugendstil überall. Denn wie jedes Variété wird das „Überbrettl“
ein dazugehöriges, bequemes elegantes Restaurant haben, eine American Bar, die in ihrer Art eine Galerie darstellen wird. In diesem Buffet werden nämlich nicht nur die verkäuflichen Original-Illustrationen des „Simplicissimus“ und der „Jugend“ ausgestellt werden, jeder Künstler, der sich mit der modernen Richtung und ganz besonders mit der des literarischen Tingl-Tangls einverstanden erklärt, wird willkommen sein.
Die Rede vom Couplet zeigt, wo Wolzogen hin will: Der Begriff bezeichnet einzelne, besonders eingängige Musikstücke aus populären Operetten, die in Berlin in den Variétés auf der Friedrichstraße laufen. Wenn es gut läuft, verselbstständigen sich die Titel und werden schließlich überall gesungen, wie bei der „Fledermaus“ oder dem „Zigeunerbaron“ von Richard Strauß.
Die Lieder erscheinen in spezialisierten Verlagen, mit denen die Komponisten ihren Song zu Geld machen. Über Musikalienhändler, die Geschäfte in jeder größeren Stadt unterhalten, werden sie im ganzen Land verkauft. Hausmusik ist um 1900 die einzige Form, um populäre Musik abseits der Bühnen zu genießen. Wenn Gedichteschreiber vertont werden, so Wolzogens Kalkül, könnten sie von diesem Markt profitieren, freilich nur auf Umwegen über den steigenden Absatz ihrer Bücher.
Aber wann geht es los? Das bleibt geheim. Wolzogen hält sich bedeckt: „Den genauen Zeitpunkt kann ich jetzt unmöglich angeben, — Eines kann ich Ihnen aber sagen: in Berlin werde ich ständig bleiben – trotz aller Reisegastspiele“.
Die Reisegastspiele erfüllen eine wichtige Aufgabe. Es geht ums Geschäft. Geller erklärt: Zuerst „gedenkt Herr v. Wolzogen, gleichsam um seine Visitenkarte abzugeben und sich den Musterschutz für seine Idee zu sichern, eine Kunstreise durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn anzutreten“.
Wolzogen fürchtet Nachahmer. Für’s erste hilft ein eingängiger Markenname: „Überbrettl zum rasenden Jüngling“. Klingt gut. Ein Patent auf den Namen allein kann man leider nicht anmelden. Hinaus in die Welt! Any promotion ist good promotion.
Der exklusive Preview

Am 15. September 1900 eröffnet die „Sezessionsbühne“ im eigenen Haus am Alexanderplatz, mit der „Komödie der Liebe“ von Henrik Ibsen in der Übersetzung von Christian Morgenstern. Weder das umgebaute Gebäude noch Ibens Jugendwerk können Kritik und Publikum überzeugen. Oberregisseur Zickel lässt die Schauspieler in Biedermeierkostümen auftreten, angepasst an die Entstehungszeit, und baut possenhafte Elemente ein. Die Kritik lobt seine ambitionierte Regie, auch wenn der Funke nicht immer überspringt. Liegt es an den Schauspielern?
Die Innenräume wirken nur insoweit „sezessionistisch“, wie es die Abmessungen des „scheunenartigen Raumes“ der alten Variété-Bühne erlauben. Theaterkritiker Schikoswki nimmt uns mit auf den Weg in den Theatersaal: „Durch einen engen Gang gelangt man an der Kasse, den Garderoben und dem Foyer – halb Restaurant, halb Kunstausstellung – vorbei“. Erst dann weitet sich der Blick. Überall sezessionistische Schnörkel und Dekoelemente! Eine Treppe hoch führt zum „Lesezimmer“: „Der Raum ist mit Gemälden, Zeichnungen und plastischen Bildwerken moderner Künstler dekorirt; auf dem großen Tische liegen litterarische und Kunstzeitschriften aus.“ Wie in Wolzogens Entwurf. Die Ähnlichkeiten sind kein Zufall. Zickel und Wolzogen arbeiten Seite an Seite für ihr Ziel eines modernen Theaters. Spielt sein „literarisches Variété“ doch noch bei der „Sezessionsbühne“ auf, wie es früher mal geplant war?

Das Bühnenbild zu Ibsens Komödie zeigt starke Anleihen beim Jugendstil und wirkt wie eine Fortsetzung der Saaldekoration. Die Schauspieler verschwinden fast in den zu Ornamenten angeordneten Blumen, die rings herum angeordnet sind und sogar den Soufleurkasten schmücken. In ihren ausladenden, altfränkischen Kostümen erinnern die Darsteller an die Roulotte und ihre chansons animées, deren Sänger absichtlich altmodisch ausstaffiert sind.
Die weiteren, stark experimentell geprägten Aufführungen der „Sezessionsbühne“ bringen jedenfalls keinen Erfolg. Stattdessen ist im Dezember plötzlich in der Presse immer wieder von Wolzogens „Überbrettl“ die Rede.
- Das „Ueberbrettl zum rasenden Jüngling“ wird seine „Feuertaufe“ beim Goethefest des „Vereins zur Förderung der Kunst“ in der Berliner Philharmonie empfangen (Hannover, 19. Dezember).
- Verhandlungen zwischen Paul Martin, dem Betreiber der „Sezessionsbühne“, und Ernst von Wolzogens „Überbrettl“ stehen kurz vor dem Abschluss (Berlin, 23. Dezember morgens).
- Das „Überbrettl“ gibt seine erste Vorstellung am Silvesterabend. Die Verhandlungen sind abgeschlossen (Berlin, 23. Dezember abends).
- Das „Überbrettl“ tritt doch nicht zu Silvester auf. „Herr v. Wolzogen wird bis zu diesem Termin mit allen seinen Vorbereitungen noch nicht fertig“. Also ist beim Goethefest Premiere. Danach, am 20. Januar, beginnt ein zehntägiges Gastspiel auf der „Sezessionsbühne“ (Berlin 27. Dezember).
Drei verschiedene Daten für die Premiere. Was für ein Durcheinander! Wolzogen hat genau den buzz produziert, den er für den Start des „Bunten Theaters“ braucht. Und das ist erst der Anfang.
Parallel zur Pressearbeit probt Wolzogen mit seiner Schauspielertruppe, auf der Bühne am Alexanderplatz und bei sich zuhause, in den repräsentativen Räumen, die er in der Burggrafenstraße 1 in Zentrumsnähe angemietet hat. Das muss in die Presse.
Direkt nach Jahresbeginn lädt Wolzogen Prominente und Experten aus der Berliner Theaterszene zu sich nach Hause zu einem exklusiven Preview ein. Unter den Eingeladenen: Journalist Oskar Geller, der eine Reportage für die die deutschlandweit verbreitete Illustrierte „Über Land und Meer“ schreiben soll. Sie erscheint kurz nach Beginn des Gastspiels im nächsten Jahr und erklärt alles noch mal: „Buntes Theater“, Paukboden für rasende Jünglinge, literarisches Variété. Damit es alle wissen.
Wolzogen empfängt seine Gäste als leicht trotteliger Besitzer einer altertümlichen Tingeltangelbude, der eine grotesk kostümierte Schauspieltruppe auftreten lässt. Wie die Roulotte und Zickels Ibsen-Ensemble bieten Wolzogen und seine Schauspieler schlecht sitzende Anzüge und aufgeplusterte Kleider auf.
Geller gefällt’s: „Ein solches „Ueberbrettlkostum“ tragen nicht nur die Mitwirkenden, auch Herr von Wolzogen selbst präsentiert sich darin, und man muß gestehen, dieser braune, „altmodische“ Frack mit den goldenen Knöpfen kleidet ihn recht gut.“ Der „Stil des „Ueberbrettls“ ist Absicht. Er „mag vom Standpunkte der präzisierenden Schule vielleicht stillos erscheinen, aber gerade darin liegt ein eigenartiger Reiz, eine gewisse Originalität, für das Ganze bezeichnend.“ Die sackige Kleidung wird zur Verfremdung eingesetzt. Sie setzt Spielfreude frei. Man muss halt probieren, was geht.
Nur scheinbar sind Dilettanten am Werk. Der hemdsärmelige Eindruck ist eine Aufgabe. Ein Experiment, dem man sich stellt. Mal sehen, wie es klappt. Niemand darf Perfektion erwarten. Darin liegt das eigentlich Moderne.
Dies wird deutlich bei den inszenierten Regiesitzungen, die Wolzogen seinen Gästen vorführt – und fotografisch festhalten lässt. Geller berichtet: „Herr von Wolzogen präsidiert. Zwanglos gruppieren sich um ihn seine Künstler, von denen jeder sein eigner Regisseur sein muß, – Oberregisseur ist Wolzogen.“ Wie jeder den vorgegebenen Typ genau verkörpert, bleibt ihm überlassen. Wolzogen mag der Chef sein. Aber genauso wie die anderen wirkt er nicht ganz sicher, was er da tut. Schau dir bloß mal den Frack an! Wer trägt denn heut noch gelbe Knöpfe?
Wolzogens Schauspieler sollen möglichst frei agieren, „zwanglos“. So entsteht der Eindruck des Lockeren, Improvisierten.


Links Robert Koppel, rechts Olga Wohlbrück, beide in Verkleidung.
Immer mit im Bild: Oberregisseur Wolzogen als idealisierter Budenbesitzer, im Biedermeierfrack mit gelben Knöpfen und hechtgrauer Hose.
Fortsetzung folgt!
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Abbildungen
Willy Ganske: Sterne des Überbrettls. Die Woche Heft 21 Heft Jg. 4 (1902), S. 957-959.
- Olga d’Estrée, S. 957. Link zum Internet Archive.
Das Laufmädel. Simplicissimus Heft 23, Jg. 3 (1898/1899), S. 271. Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Steinlen, Théophile Alexandre (Zeichnung)
A fescher Domino. Münchner Brettlsang. Simplicissimus Heft 47, Jg. 3 (1898/1899), S. 375. Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Reznicek, Ferdinand Frh. v. (Zeichnung)
Madame Adèle. Simplicissimus Heft 8 Jg. 5 (1900/1901), S. 67
Wolzogen, Ernst Frh. v. (Text), Reznicek, Ferdinand Frh. v. (Zeichnung)
Martin Zickel. Berliner Leben Jg.7 (1904) Heft 5. Link zur ZLB Berlin.
Illustratorensaal in der Berliner Secession (Foto 1899). Deutsche Lesehalle Nr. 24 (1899), S. 188. Link zur BSB München.
Das Spiel-Haus. Koch, Alexander [Hrsg.]; Fuchs, Georg [Hrsg.]: Grossherzog Ernst Ludwig und die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt von Mai bis Oktober 1901. Ein Dokument deutscher Kunst, Darmstadt, 1901, S. 80. Link zu Heidi. In Copyright – Nicht kommerzielle, wissenschaftliche Nutzung.
Leiter und Darsteller von „Wolzogen’s buntem Theater“. Januar 1901.Berliner Illustrirte Zeitung 10. Jg. Heft 4 (27. Januar 1901), S. 54. Link zur ZLB. Public Domain.
Eröffnung der Sezessionsbühne. Ibsens Komödie der Liebe. Berliner Leben. Zeitschrift für Schönheit und Kunst Heft 9 Jg. 3 (1900), S. 150 scan 168. Link zur zlb. Public Domain.
H. Hendrich: Entwurf einer Dekoration zu Ibsens „Komödie der Liebe“. In: Deutsche Lesehalle Heft 36, 1900, S. 283. Link zum Deutschen Zeitungsportal.
Fotos der Probevorstellung des „Bunten Theaters“ in Wolzogens Berliner Wohnung. Aus: Oscar Geller: Wolzogens „Buntes Theater“. In: Über Land und Meer. Deutsche Illustrierte Zeitung 85. Band Jg. 43, Heft No. 19 (März 1901), S. 308-309. Eigenes Archiv.
Wolzogen, Koppel und Straus bei der Probevorstellung des „Bunten Theaters“ in Wolzogens Berliner Wohnung. Moderne Kunst: illustrierte Zeitschrift — 15.1902, S. XLV. Link zur UB Heidelberg.
Verwendete Literatur
Ernst von Wolzogen: Wie ich mich ums Leben brachte, Braunschweig: Westermann 1922
Wolzogens Erinnerungen werden in den meisten Darstellungen des Überbrettls weitgehend ungeprüft übernommen. In der vorliegenden Studie werden sie nach Möglichkeit nur dann zugrundegelegt, wenn mindestens eine weitere Quelle seine Darstellung bestätigt.
Wolzogen schreibt extrem tendenziös aus einer Rückschau, bei der er seinen gesamten Einsatz für ein literarisches Variété als Irrtum darstellt. Sein Text ist von einem systematischen Antisemitismus geprägt, der die Ereignisse verzerrt widergibt und weite Passagen fast unlesbar macht. Vor allem aber ignoriert Wolzogen die tatsächliche Chronologie und verschweigt zentrale Akteure. So vertauscht er etwa – aus rein erzähltechnischen Gründen – die Saison 1902/1903 mit der Saison 1903/1904. Schwerer wiegt, dass er Martin Zickel, mit dem er 1899 bis 1902 Seite an Seite an seinem Projekt arbeitet, mit keinem Wort erwähnt.
Wolzogen in München:
- Wilhelm von Scholz: Aus der Münchener Litterarischen Gesellschaft. In: Das literarische Echo Jg. 1 (1898-1899), Heft 9 (1.2.1899), Sp. 599-601. Link zur Universität Innsbruck.
- Münchner neueste Nachrichten 20.4.1898 Vorabendblatt. Troilus und Cressida als Burleske. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
- Münchner neueste Nachrichten 20.4.1898 Vorabendblatt. Wolzogens Gardinenpredigt. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
Börsenblatt des deutschen Buchhandels Nr. 140 (Dienstag 20.06.1899) Jg. 66, S. 4493 + 4620. Anzeige für Wolzogen, Das dritte Geschlecht. Link zur Bayerischen Staatsbibliothek.
Die meistgelesenen Bücher. Ein statistischer Versuch. Das literarische Echo. 1898-1923, 1900-1901 Jg. 3, H. 7 (1.1.1901), Sp. 505-509.
Berthold Held: Was leistet das gegenwärtige deutsche Theater? In: Bühne und Welt 2 (1899/1900), S. 145-151. Link zum Hamburger Kulturgut digital.
Martin Zickel und der Start der Sezessionsbühne:
- Berliner Tageblatt 17.11.1899 Morgenausgabe: Eine Sezessionsbühne in Berlin. Link zum Deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt 5.9.1899: Zickel als künstlerischer Leiter des Akademisch-literarischen Vereins. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- 28.10.1899 Norddeutsche allgemeine Zeitung: Die studentische Goethefeier. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger 8.12.1899: 1. Matinée der Sezessionsbühne: Der Besiegte. Sagendrama in 1 Aufzuge von Wilhelm v. Scholz. Der Kammersänger. Drei Scenen von Frank Wedekind. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Münchner neueste Nachrichten 17.12.1899: Max Schoenau, Berliner Plaudereien (Über die erste Matinée der Sezessionsbühne). Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt 11.12.1899: Die Sezessionsbühne (Über die erste Matinée der Sezessionsbühne). Link zum Deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Tageblatt Abend-Aussage 22.12.1899: Geplante Tour der Sezessionsbühne im Mai 1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger 13.1.1900: 2. Matinée der Sezessionsbühne am 21.1.1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Unterhaltungsblatt des Vorwärts 15.01.1900: Viktor Bausenwein pachtet das Alexanderplatz-Theater. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Hannoverscher Kurier Morgen-Ausgabe 25.01.1900: John Schikowski, Berliner Theaterbrief (2. Matinée + Pacht des Alexanderplatz-Theaters). Link zu gwlb.
Martin Zickel: Die scenarischen Bemerkungen im Zeitalter Gottscheds und Lessings, Berlin 1900. Link zu Google Books.
Die Berliner Kunstausstellungen 1899. Mit fünf Spezial-Aufnahmen für die „Lesehalle“ aus dem Atelier Geifrig, Berlin W. Deutsche Lesehalle Nr. 24 (1899), S. 188-199. Link zur BSB München.
Frank Wedekind an Beate Heine, Festung Königstein 28. Dezember 1899: „Martin Zickel bittet mich um Beiträge und Mitwirkung zu einem literarischen Variété in Berlin. Ich denke nicht im Traum daran, darauf einzugehen“. Link zur Briefedition Wedekind.
Frank Wedekind an Emilie Wedekind, Festung Königstein 28. Dezember 1899: „In Berlin wollen Hartleben und Wohlzogen ein literarisches Variété unter meiner Mitwirkung begründen. Ich bin aber noch sehr im Zweifel ob ich daran theilnehme“. Link zur Briefedition Wedekind.
Wolzogens Pläne für das Überbrettl:
- 31. Mai 1900 Berliner Tageblatt Morgenausgabe. Link zur Zefys.
- John Schikowski: Ein litterarisches Variété in Berlin. Hannoverscher Kurier Mittwoch 30. Mai 1900 Abendausgabe. Link zu gwlb.
- Litterarisches Variété in Berlin. Hannoverscher Kurier 3. Juni 1900 Morgenausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. General-Anzeiger der Stadt Mannheim 28. Juni 1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. Hannoverscher Kurier 28.6.1900 Morgenausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Ernst v. Wolzogens literarisches Variété-Theater. Berliner Börsen-Zeitung 8.7.1900. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Das Ueberbrett‘l zum rasenden Jüngling. Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung 20.09.1900 Abendausgabe. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Oscar Geller: Das „Ueberbrettl zum rasenden Jüngling”. Eine Unterredung mit Herrn v. Wolzogen. Hannoverscher Kurier 31. Oktober 1900 Morgenausgabe. Link zu gwlb.
- Oskar Geller: Das literarische Tingl-Tangl. Eine Unterredung mit Freiherrn v. Wolzogen. In: Neue Freie Presse. Morgenblatt. 11. November 1900, S. 31-32. Link zu Anno.
- Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Link zum deutschen Zeitungsportal.
Otto Julius Bierbaum an Ernst v. Wolzogen. Brief vom 30. November 1900 („Die Legende von einem Ueberbrettl”). Link zur BSB München.
Zickel, Geller und das Café des Westens:
- Otto Riebicke: Berliner Briefe. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 7.6.1921, S. 777-781. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Oskar Geller: Max Reinhardt und die Pantomime. AZ am Morgen 12.08.1925, S. 4. Link zur BSB München.
Martin Zickel und die Sezessionsbühne am Alexanderplatz:
- Berliner Tageblatt 19.9.1900 Sezessionsbühne. Eröffnungsabend. Link zum Deutschen Presseportal.
- John Schikowski: Die Berliner Sezessionsbühne. Hannoverscher Kurier Freitag 21. September 1900 Abendausgabe. Link zur gwlb.
- Berliner Tageblatt 10.12.1900 Abend: Zickel und Martin gehen getrennte Wege. Link zum Deutschen Presseportal.
- Berliner Tageblatt 27.2.1901 Abend: Zickel wechselt ans Residenztheater. Link zum Deutschen Presseportal.
Berichte zum Start des „Überbrettls“ am Alexanderplatz:
- Hannoverscher Kurier 19. Dezember 1900 Morgenausgabe. Feuertaufe für das „Überbrettl“. Link zum deutschen Zeitungsportal.
- Berliner Börsen-Zeitung 23.12. morgen. Link zum Deutschen Presseportal.
- Berliner Tageblatt 23.12.1900. Link zum Deutschen Presseportal.
- Gießener Anzeiger 25.12.1900. Link zum Deutschen Presseportal.
- Berliner Tageblatt 27.12.1900. Link zum Deutschen Presseportal.
- Oscar Geller: Wolzogens „Buntes Theater“. In: Über Land und Meer. Deutsche Illustrierte Zeitung 85. Band Jg. 43, Heft No. 19 (März 1901), S. 308-309. Link zum Internet Archive.
Literatur zum Überbrettl allgemein
Ernst König: Das Ueberbrettl Ernst von Wolzogens und die Berliner Ueberbrett-Bewegung, Kiel: Dissertation 1956, 193 Seiten + Anhang mit Originaltexten.
Frischkopf, Rita: Die Anfänge des Kabarets in der Kulturszene um 1900. Eine Studie über den „Chat noir“ und seine Vorformen in Paris, Wolzogens „Überbrettl“ in Berlin und die „Elf Scharfrichter“ in München, Toronto 1976. Link zur McGill University.
Brigitte Bruns: Schwabing in Ernst von Wolzogens „Das Dritte Geschlecht“. Ein Roman und seine historischen Hintergründe und Debatten. In: Freunde der Monacensia e. V. Jahrbuch 2020, S. 235-258. Link zur Universität München.
Judith Kemp, „Ein winzig Bild vom großen Leben“. Zur Kulturgeschichte von Münchens erstem Kabarett Die Elf Scharfrichter (1901–1904), München 2017 (= Bavaria. Münchner Schriften zur Buch und Literaturgeschichte, Bd. 4)
Gunna Wendt: Münchner Boheme im Kaffeehaus (Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek). Link zum Literaturportal Bayern. pdf.
Peter Jelavich: Berlin Cabaret, Cambridge Mass. 1993, S. 36-84.
Birgit Ziener: Avantgarde avant la lettre. Strategien literarischer Popularisierung im Werk von Otto Julius Bierbaum, Wien 2022.
Anita MacMahon: The „Uber“ Movement in Germany. „Uberbrettl“ – The Turkish bath of the modern Soul. In: Temple Bar. A monthly magazine. For town and country readers Vol. 128 No. 516 (November 1903), London: MacMillan and Co. 1903, S. 599 -610. Link zum Internet Archive.
Wolfgang Jansen, Das Varieté. Die glanzvolle Geschichte einer unterhaltenden Kunst, Berlin 1990, S. 155-166.
Wolfgang Jansen: Varieté. Untertitel Geschichte – Spielstätten – Kontexte, Münster: Waxmann 2022, S. 225-238.
Hans-Peter Bayerdörfer: Überbrettl und Überdrama. Zum Verhältnis von literarischem Kabarett und Experimentierbühne. In: Hans-Peter Bayerdörfer, Karl Otto Conrady und Helmut Schanze (eds.): Literatur und Theater im Wilhelminischen Zeitalter, Berlin 1978, S. 292-325.